Tesla, Verbio, Sartorius und bei der Deutschen Bank sprudeln die Gewinne – die wichtigsten News zum Börsenstart

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Donnerstag verschnupft auf aktuelle geldpolitische Signale der US-Notenbank reagiert. Überwiegend positive Unternehmenszahlen fielen dahinter zurück. Der Dax verlor in den ersten Handelsminuten 1,54 Prozent auf 15 221,26 Punkte und machte damit einen Großteil seines Vortagesgewinns von 2,2 Prozent zunichte. Der MDax verlor am Donnerstagmorgen 1,43 Prozent auf 32 661,62 Zähler.

Angesichts der hohen Inflationsrate und der guten Lage am Arbeitsmarkt signalisierte die US-Notenbank (Fed) eine baldige Zinserhöhung, der weitere folgen sollen – womöglich mehr als erwartet. Damit machte sie den Weg frei für die erste Anhebung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie. Zunächst bleibt der Zins in der extrem niedrigen Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Fed in jedem kommenden Quartal bis ins Jahr 2023 hinein einen weiteren Zinsschritt nach oben machen wird.

Deutsche Bank: Gewinne sprudeln in die Höhe

Das Frankfurter Finanzinstitut hat 2021 einen Milliardengewinn erzielt und das beste Ergebnis seit zehn Jahren eingefahren. Der Vorsteuergewinn kletterte binnen Jahresfrist von gut einer Milliarde Euro auf rund 3,4 Milliarden Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Nach Steuern standen 2,5 Milliarden Euro in der Bilanz – mehr als vier Mal so viel wie im ersten Jahr der Pandemie und mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Nach Abzug von Zinszahlungen an die Inhaber eigenkapitalähnlicher Anleihen verbleiben unter dem Strich gut 1,9 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2020 hatte die Deutsche Bank nach fünf Verlustjahren in Folge mit 113 Millionen Euro erstmals unter dem Strich wieder Gewinn gemacht.

„Alle vier Geschäftsbereiche entwickeln sich wie geplant oder sogar besser, und beim Abbau von Altbeständen sind wir schneller vorangekommen als erwartet“, bilanzierte Konzernchef Christian Sewing. Die erwarteten Kosten des 2019 angestoßenen Konzernumbaus seien fast vollständig verdaut. Die Bank profitierte 2021 auch davon, dass sie deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurücklegen musste als im ersten Jahr der Corona-Pandemie.

Größter Gewinnbringer war erneut das Investmentbanking, in dem der Dax-Konzern zum Beispiel mit dem Handel von Anleihen und Währungen Geld verdient. Die Aktionäre sollen nach zwei Nullrunden für das Geschäftsjahr 2021 wieder eine Dividende von 20 Cent je Anteilsschein bekommen, wie die Bank bereits am Mittwochabend mitgeteilt hatte.

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Überblick Deutsche Bank zur Strategie

Deutsche Bank zur Bilanz 2020

SAP: Übernahme in den USA 

Europas größter Softwarehersteller will sein Geschäft im Finanzbereich mit einer Übernahme in den USA ausbauen. Mit dem Erwerb der Kontrollmehrheit an dem auf das Management des Nettoumlaufvermögens (Working Capital) spezialisierten US-Fintech Taulia soll den SAP-Kunden ein besserer Zugang zu Liquidität ermöglicht werden, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Walldorf mitteilte. Taulia biete Lösungen, mit den Lieferanten sehr schnell bezahlt werden und trage damit dazu bei, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Finanzielle Details der geplanten Transaktion nannte SAP nicht.

Konzernvorstand Christian Klein sagte lediglich, dass der Preis unter einer Milliarde Euro liegt. Taulia mit Sitz in San Francisco beschäftigt derzeit rund 350 Mitarbeiter. SAP kam Ende vergangenen Jahres auf etwas mehr als 107 000 Beschäftigte. SAP bestätigte zudem die vor kurzem veröffentlichten Ergebnisse für das vergangene Jahr sowie die Prognosen für 2022 und 2025.

Die Übernahme und die endgültigen Zahlen lassen heute erst einmal keine Freude unter den Anlegern aufkommen.

Sartorius: Es läuft weiter rund 

Die Geschäftszahlen für das vergangenen Jahr und ein optimistischerer mittelfristiger Ausblick haben den Papieren von Sartorius am Donnerstag vorbörslich Rückenwind beschert. Die Aktien des Pharma- und Laborausrüsters schnellten auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss zuletzt um 5,0 Prozent auf 465,50 Euro nach oben; und das in einem sehr schwachen Gesamtmarkt: Der Dax wird zur Eröffnung rund 2 Prozent im Minus erwartet.

Sartorius profitierte 2021 von der Nachfrage von Impfstoff- und Testherstellern. Aber auch das Basisgeschäft abseits Corona florierte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um fast 70 Prozent, die entsprechende operative Marge stieg auf 34,1 Prozent nach 29,6 Prozent ein Jahr zuvor. Mittelfristig will Sartorius noch profitabler werden als bisher veranschlagt.

Die guten Zahlen helfen Sartorius heute allerdings nicht viel. Die Aktie befindet sich weiterhin im Korrektur-Modus. Daher testet die Aktie heute noch einmal ihr tief aus dem Juni vergangenen Jahres.

Tesla: Rekordgewinn lässt Anleger kalt

Trotz der globalen Chipkrise und Problemen in den Lieferketten hat der US-Elektroautobauer Tesla 2021 so viel verdient wie noch nie zuvor in einem Geschäftsjahr. Unterm Strich verbuchte der Konzern nach eigenen Angaben vom Mittwoch einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar (4,9 Mrd Euro) und damit 665 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erlöse kletterten um 71 Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar, wie Tesla nach US-Börsenschluss in Austin mitteilte. Die guten Zahlen holten die Anleger allerings nicht hinter dem Ofen hervor. Nachbörslich rutschte die Aktie ins Minus.

Der E-Auto-Vorreiter lieferte 2021 gut 936 000 Fahrzeuge aus, ein Plus von 87 Prozent. Ein konkretes Absatzziel für 2022 gab Tesla nicht aus, langfristig peilt das Unternehmen jährliche Wachstumsraten von rund 50 Prozent an. Doch da es weiter in den Lieferketten hakt, drückte Konzernchef Elon Musk nun etwas auf die Bremse. „Wir werden keine neuen Fahrzeugmodelle vorstellen in diesem Jahr“, sagte der Starunternehmer bei einer Konferenzschalte mit Analysten. Es mache keinen Sinn, da es immer noch einen Mangel an Bauteilen gebe.

Auch der eigentlich schon für vergangenes Jahr geplante Produktionsstart des Elektro-Pickups „Cybertruck“ dürfte sich laut Musk bis 2023 verzögern. Um die Herstellung auszuweiten, ist Tesla auch stark auf sein erstes europäisches Werk in Grünheide bei Berlin und eine neue US-Autofabrik im texanischen Austin angewiesen. Beide hängen im Zeitplan hinterher. Zu Grünheide hielt sich Tesla bedeckt. Nach dem Beginn der Testphase warte der Konzern weiter auf die abschließenden Produktionsgenehmigungen der Behörden in Deutschland.

Verbio: Gute Entwicklung geht weiter 

Nachdem der Produzent von Biokraftstoffen im ersten Quartal seiner Geschäftsjahres nicht so recht in die Puschen gekommen ist, brummt es jetzt wieder in allen Kesseln. Eine positive Dynamik im ersten Geschäftshalbjahr stimmt den Vorstand des Biokraftstoff-Herstellers Verbio optimistischer als bislang. Für das bis Ende Juni laufende Geschäftsjahr 2021/22 solle nun ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 300 Millionen Euro machbar sein, teilte das SDax-Unternehmen am Mittwochabend nach Börsenschluss mit. Bereits Ende November hatte Verbio die Prognose angehoben.

Neben dem bisher positiven Geschäftsverlauf stünden vor auch die Aussichten in allen Segmenten gut. Besonders die Nachfrage nach Biokraftstoffen gibt dem Management mehr Selbstbewusstsein. Das Nettofinanzvermögen solle bis zum Ende des Geschäftsjahres bei 130 Millionen Euro liegen. Damit erhöht das Unternehmen ebenfalls seine bisherige Prognose und würde den Vorjahreswert von 100,2 Millionen Euro übertreffen.

Nach einem vorbörslichen Plus ist die Aktie mittlerweile ins Minus gedreht

Redaktion onvista / dpa-AFX

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