Bayer: Wie gewonnen, so zerronnen - US-Regierung lässt gute Zahlen in den Hintergrund rücken

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Dienstag stand die Bayer Aktie mit einem Plus von mehr als 5 Prozent an der Dax-Spitze. Die Leverkusener konnten mit ihren Zahlen die Anleger überzeugen. Heute sieht es allerdings schon wieder ganz anders aus. Der Dax-Konzern wird schmerzhaft von seinem Glyphosat-Problem eingeholt und die Aktie liegt zu Handelsbeginn am Ende des deutschen Leitindex. Die Aktie verliert mehr als 6 Prozent.

US-Regierung rät zur Zurückhaltung

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat einen Rückschlag erlitten. Die US-Regierung riet dem Supreme Court - dem obersten Gericht im Land - am Dienstag (Ortszeit) von der Annahme eines wegweisenden Falls ab. Das Verfahren könnte Signalwirkung für viele weitere US-Klagen haben. Für den Leverkusener Dax-Konzern hängen davon milliardenschwere Rechtsrisiken ab.

Bayer hofft auf Signalwirkung

Konkret geht es um die Überprüfung eines Urteils zugunsten des Klägers Edwin Hardeman, der glyphosathaltige Produkte des von Bayer übernommenen US-Herstellers Monsanto für seine Krebserkrankung verantwortlich macht. Ihm waren 2019 nach einem Gerichtsprozess letztendlich gut 25 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen worden. Bayer hofft, dass der Supreme Court die Entscheidung kippt. Doch ob das oberste US-Gericht sich mit dem Fall befasst, ist bislang unklar. Im Dezember hatten die Richter angekündigt, die Meinung der US-Regierung dazu einzuholen, was zunächst als Zeichen des Interesses und somit positiv für Bayer schien. Doch nun liegt die Empfehlung des Justizministeriums vor - es schlägt sich auf die Seite des Klägers. Der Argumentation Bayers, dass Bundesrecht Schadenersatzansprüche in einzelnen US-Staaten verhindere, stimmte die Regierung nicht zu.

Bayer sieht sich weiter bestätigt

"Wir sind weiterhin überzeugt, dass es gute rechtliche Argumente für den Supreme Court gibt, den Fall Hardeman zu überprüfen und das Urteil zu korrigieren", teilte Bayer in einem Statement mit. Dies bestätigten auch zahlreiche Stellungnahmen, die bei Gericht dazu eingereicht worden seien. So habe etwa die US-Umweltschutzbehörde EPA mehrfach festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher genutzt werden könnten und nicht krebserregend seien.

Kläger obenauf 

"Wir haben immer gewusst, dass das Recht auf unserer Seite ist, und nun stimmt die Regierung zu", erklärte die Anwältin von Kläger Hardeman, Jennifer Moore, gegenüber US-Medien. "Es ist ein sehr guter Tag für Krebsopfer in diesem Land, die versuchen, Täter wie Monsanto zur Rechenschaft zu ziehen". Hardeman war 2015 an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Er wirft Monsanto beziehungsweise Bayer vor, angebliche Gesundheitsrisiken von Glyphosat verschwiegen zu haben.

Die Argumentation aus Leverkusen bleibt gleich

Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück und argumentiert mit Studien, die belegen sollen, dass glyphosathaltige Produkte bei vorschriftsgemäßer Anwendung ungefährlich seien. Die vielen Klagen, mit denen Bayer in den USA konfrontiert ist, stützen sich besonders auf eine Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation. Sie stufte Monsantos Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein.

Für den Fall, dass der Supreme Court sich mit dem Glyphosat-Verfahren nicht befassen will oder letztlich gegen Bayer entscheidet, hatte der Konzern im Sommer Rückstellungen von 4,5 Milliarden Dollar gebildet. Mit dem Geld würde dann ein Programm aufgesetzt, um in den kommenden 15 Jahren mit den Forderungen neuer Kläger umzugehen.

Die Probleme rund um den Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup hatte Bayer sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Kauf aufgehalst.

In dem Antrag an den Supreme Court hatte Bayer mit der sogenannten Federal Preemption argumentiert. Der Konzern vertritt demzufolge die Ansicht, Schadenersatzansprüche wegen angeblich mangelhafter Warnungen vor Krebsrisiken könnten nach einzelstaatlichem Recht nicht bestehen, wenn sie mit Bundesrecht kollidieren. Zudem ist der Konzern der Meinung, die Zulassung von Experten als Zeugen der Klägerseite habe beim Prozess nicht den bundesrechtlichen Standards entsprochen.  

Rückschläge gehören zum Bayer-Kurs dazu

Das Damokles-Schwert, das über dem Aktienkurs hängt, hat wieder zugeschlagen. Eine ganze Zeit lang war es Ruhig um die Glyphosat-Prozesse, jetzt sind sie wieder im Kopf der Anleger. Wer heute verunsichert ist und nicht weiß, was er mit der Aktie machen soll, der sollte sich die Stille Zeit ins Gedächtnis rufen. Da ist die Aktie von Bayer in einer stürmischen Zeit an der Börse zum besten Wert in Dax aufgestiegen. Seit Jahresanfang hat die Aktie rund 30 Prozent zugelegt und hat damit alle anderen Titel im deutschen Leitindex deutlich abgehängt. Seit dem ersten Januar haben nur 5 Werte dieses Kunststück geschafft und RWE hat mit Plus 10 Prozent auf Platz 2 schon einen deutlichen Rückstand.

Heute verliert der Kurs über 6 Prozent. Das gehört zur Entwicklung des Aktienkurses von Bayer dazu, solange das Glyphosat-Thema nicht zu den Akten gelegt werden kann. Gibt es in Zukunft positive Nachrichten zu dem Thema, dann steigt der Kurs weiter an. Unter Strich haben die Zahlen für das erste Quartal gezeigt, dass Bayer wieder gut unterwegs ist. Mit einem geschätzten KGV von 12 für das laufende Jahr ist die Aktie auch nicht zu teuer bewertet. Daher ist der heutige Rücksetzer für uns kein Beinbruch. Glyphosat-Rückschläge gehören zur Kursentwicklung von Bayer dazu, sind für uns aber eher eine Chance, als ein Risiko. 

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