onvista-Börsenfuchs: Der Mai ist vorbei – und jetzt?

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Die schlechte Nachricht vor weg: Im Osten und Westen nix Neues. Die großen Probleme sind geblieben, die leisen Hoffnungen auch. Meine ganz private Zwischenbilanz (wird dauernd erneuert) von Gut und Schlecht für Geldanleger: Es gibt deshalb keine zuverlässigen Hinweise, wie und wo es langgeht. Die Börsen haben keine Peilung, die Börsianer könnten gut einen Kompass gebrauchen. Hey, bleibt vorsichtig, meine Freunde! Was Ihr mit Eurer Kohle auch macht – macht’s mit kleinen Beträgen. Das gilt fürs Kaufen und Verkaufen.

Das Schlimmste bleibt der Krieg vor unserer Tür. Seine weitere Entwicklung und seine Folgen für die betroffenen Menschen, für Weltwirtschaft und Geopolitik sind unberechenbar. Nach meinen Beobachtungen wird sein Gewicht hierzulande stark unterschätzt. Für den Geldwert kann man das nicht mehr sagen, weil hier nackte Zahlen so schlimm sind, wie sie noch vor ein paar Monaten selbst von den Skeptikern nicht befürchtet werden konnten. Nach den gestern veröffentlichten + 7,9 Prozent für Deutschland legt die Eurozone heute noch eins drauf: Neuer Rekordanstieg der Verbraucherpreise im Mai um 8,1 Prozent (nach + 7,4 Prozent im April). Volkswirte hatten im Schnitt „nur“ mit einem Plus von 7,8 Prozent gerechnet.

Und trotzdem kein Schock für den Kapitalmarkt. Nee, man lobt eher die robuste Verfassung der Aktien und verbindet das locker mit Optimismus für die zweite Jahreshälfte. Die steigenden Rohstoffpreise, Unterbrechungen der Lieferkette und höhere Inflationsraten haben sich bislang zwar eher auf die Aktienmärkte ausgewirkt als auf die Unternehmen selbst, so ziemlich gelassen die Investmentmanager von RBC Global Asset Management. Starke Unternehmen dürften aber noch stärker werden. Insgesamt äußern sich nicht nur diese Experten für den Aktienmarkt zuversichtlich. Dagegen korrigiert der internationale Consultant Deloitte seinen Optimismus: Die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland und Europa haben sich seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine merklich eingetrübt. Ganz besonders betroffen sind produzierende Unternehmen. Wir müssen inzwischen davon ausgehen, dass die für das Frühjahr erwartete Erholung nicht eintritt, sondern ganz Europa in eine stagnative bis rezessive Phase gerät, die im herstellenden Gewerbe am ausgeprägtesten ist. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen CFO Survey Frühjahr 2022, eine halbjährliche Deloitte-Befragung von Finanzvorständen deutscher Großunternehmen, die als ein guter Frühwarn-Indikator gilt. Demnach sind die Finanzvorstände, insbesondere der produzierenden Unternehmen, heute wieder so in Sorge wie zu Beginn der Corona-Krise und befürchten für die nächste Zeit sinkende Umsätze sowie schrumpfende Margen.

Also hoffe ich auf eine klare Ansage durch technische Analysten. Dort lese ich vor Handelseröffnung: Die heute anstehenden Fundamentaldaten aus Deutschland, Europa und den USA werden wohl wieder mal keine richtungsweisende Impulse liefern. Die chart- und markttechnischen Muster und Tendenzen der letzten Wochen haben sich mehrmals bewahrheitet. Sowohl nach unten als auch nach oben. Ihnen gilt in diesem nach wie vor schwierigem Umfeld weiterhin der primäre Fokus.

Aha, jetzt ist alles klar.

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