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BoE scheut Zinssprung à la Fed - Erhöhung um halben Prozentpunkt

Reuters · Uhr
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London/Berlin (Reuters) - Trotz anhaltend hoher Inflation scheut die britische Notenbank vor einem Mega-Zinsschritt wie in den USA und der Euro-Zone zurück.

Die Bank of England (BoE) hob den Leitzins am Donnerstag lediglich um 0,50 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dabei den richtigen Riecher, während die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Anders als die Volkswirte hatten sie auf 0,75 Prozentpunkte gesetzt, nachdem die US-Notenbank Fed bereits ein wahres Zinsfeuerwerk mit drei kräftigen Erhöhungen in Folge gezündet hat.

Allerdings fiel der Zinsentscheid in London mit fünf zu vier Stimmen denkbar knapp aus. Dabei votierten drei BoE-Führungsmitglieder für eine Erhöhung auf 2,5 Prozent und eines für einen kleineren Schritt auf 2,0 Prozent. Gemeinsam signalisierten die Währungshüter allerdings, dass weitere Straffungen folgen dürften: Auch wenn die Wirtschaft in eine Rezession abzurutschen droht, will die BoE auf die Inflation weiterhin "bei Bedarf kraftvoll" reagieren.

Sie steht unter Zugzwang, da die Inflationsrate im Zuge der Energiekrise mit zuletzt 9,9 Prozent weit über das Stabilitätsziel der Währungshüter von 2,0 Prozent hinausgeschossen ist. Wegen der Trauerphase nach dem Tod von Königin Elizabeth II. war der Zinsentscheid um eine Woche verschoben worden.

Die Notenbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im Sommerquartal leicht geschrumpft sein dürfte - unter anderem auch wegen des arbeitsfreien Trauertags aus Anlass des Begräbnisses der Monarchin. Da die Wirtschaftsleistung bereits im Frühjahr zurückgegangen war, würde Großbritannien somit in einer technischen Rezession stecken - also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge.

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LBBW-Ökonom Elmar Völker sieht die im Vergleich zur Fed und Europäischen Zentralbank nun von der BoE an den Tag gelegte eher moderate Gangart vor dem Hintergrund des jüngst angekündigten Entlastungspakets der britischen Regierung. Die neue Premierministerin Liz Truss will mit einem milliardenschweren Plan die Kosten der Energiekrise für die Briten abfedern. Dieses Paket könnte die britische Inflation laut BoE-Schätzung im kommenden Jahr um fünf Prozent-Punkte drücken. "Im Gegenzug könnte die Phase erhöhter Inflation aber umso länger fortdauern, weil der Rezessionsdruck gemildert wird", gibt der LBBW-Experte zu bedenken. Die schwierige Ausgangslage drücke sich auch "im stark gespaltenen Meinungsbild" der Währungshüter zur angemessenen Höhe des Zinsschritts aus.

DEVISENANLEGER ENTTÄUSCHT

Mit der mittlerweile siebten Erhöhung mache die Notenbank deutlich, dass sie konsequent gegen die hohen Inflationsraten vorgehe, erklärte Helaba-Ökonom Ralf Umlauf: "Eine zuletzt leicht gesunkene Inflation und die konjunkturellen Risiken lassen ein etwas vorsichtigeres Vorgehen auch in den kommenden Monaten und Quartalen als möglich erscheinen."

Devisenanleger reagierten allerdings enttäuscht auf die Zinsentscheidung der BoE. Das Pfund Sterling fiel am Donnerstagmittag auf 1,1288 von 1,1355 Dollar. Zahlreiche Börsianer hatten darauf gesetzt, dass die Notenbank dem Vorbild der Fed folgen und einen kräftigeren Zinsschritt wagen würde. Da aber immer mehr Mitglieder des BoE-Führungsgremiums für kräftigere Zinsschritte plädierten, bleibe unklar, ob sich die Notenbank im November zu einer deutlicheren Anhebung durchringen könne, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Mehrheitlich erwarten Investoren allerdings einen erneuten Anstieg um einen halben Prozentpunkt.

(Bericht von David Milliken, Hakan Ersen, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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