Chefin der Deutschen Fußball-Liga offenbar vor Ablösung

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München (Reuters) - Die Chefin der Deutschen Fußball-Liga (DFL) steht nach weniger als einem Jahr offenbar vor der Ablösung.

Der Aufsichtsrat der Bundesliga-Organisation sei für Mitte dieser Woche einberufen worden, um über die Abberufung von Donata Hopfen zu beraten, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Fußball-Fachmagazin "kicker" hatte berichtet, der Vertrag mit der 46-jährigen ehemaligen Managerin des Medienkonzerns Axel Springer könnte noch vor Weihnachten aufgelöst werden.

Hopfen, die zu Jahresbeginn die Nachfolge des langjährigen DFL-Chefs Christian Seifert angetreten hatte, sei es nicht gelungen, das Vertrauen der Klubs zu gewinnen, sagte der Insider. Das habe auch den Verkaufsprozess für eine Minderheitsbeteiligung von Finanzinvestoren verzögert, die bis zu 3,6 Milliarden Euro in die Kassen der DFL und der 36 Profiklubs spülen soll. Die DFL war für eine Stellungnahme am Sonntagabend nicht zu erreichen.

Der "kicker" berichtete ohne Angabe von Quellen, Hopfen sei es "nach Meinung führender Köpfe der Liga" nicht gelungen, der DFL ihre Handschrift zu geben. Über die weitere Zusammenarbeit mit ihr werde schon seit Wochen unter den sechs Mitgliedern des DFL-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des Geschäftsführers von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, diskutiert. Das Magazin nennt auch mangelnde Fortschritte in der Diskussion um die "50+1-Regel", die einen Verkauf von Bundesliga-Vereinen an Dritte untersagt, sowie die damit zusammenhängenden Forderungen des Bundeskartellamtes, bei der Internationalisierung der Liga und den Plänen für die bevorstehende Ausschreibung der Medienrechte ab Sommer 2025.

Nach den Plänen der DFL sollen sich Finanzinvestoren mit bis zu 20 Prozent an einer Firma zur Verwertung der nationalen und internationalen Medienrechte an der Bundesliga beteiligen. Die Klubs erhoffen sich davon Mehreinnahmen. Im September hatten Private-Equity-Gesellschaften wie CVC, Bain Capital, KKR, EQT, Advent, Blackstone und Bridgepoint ihre Vorstellungen präsentiert. Doch der für November geplante Beginn des Bieterprozesses hatte sich verzögert. Er soll nun Finanzkreisen zufolge frühestens im Januar beginnen, was den erwarteten Abschluss im Frühjahr äußerst fraglich macht.

Hopfen muss für den Verkauf eine Zweidrittelmehrheit unter den 36 Erst- und Zweitligisten sicherstellen, die Gespräche sind aber Insidern zufolge schleppend angelaufen. Ein Verkaufsprozess für die Auslandsrechte - noch unter Seifert - war am Widerstand der Klubs gescheitert. Organisiert wird der Verkaufsprozess von den Investmentbanken Nomura und Deutsche Bank.

(Bericht von Alexander Hübner und Emma-Victoria Farr, redigiert von Sabine Wollrab und Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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