Kolumne

Zinsanhebungen: War`s das jetzt wirklich?

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: Fabian Junge/Shutterstock.com

Neben Indexprognosen sind auch Zins- und Inflationsprognosen immer sehr beliebt bei meinen Vorträgen. Das hat sich in dieser Woche wieder in Österreich gezeigt, wo ich in Salzburg, Linz und Wien interessierten Investoren unseren aktuellen Blick auf die Märkte präsentiert habe. Bezogen auf die Zinsen sind wir heute auf jeden Fall schlauer als zu Beginn der Woche. In den USA hat es keinen weiteren Zinsschritt gegeben – das Plateau ist offensichtlich erreicht. Bei der EZB hingegen ist der Zyklus der Zinsanhebungen wohl noch nicht vorbei. Doch dieses Thema war nicht nur für Investoren in Österreich interessant. Am Donnerstag habe ich noch an einer Veranstaltung der Baader Bank in München teilgenommen und dort widmete der Kapitalmarkt-Experte Robert Halver von der Baader Bank der Bedeutung der Zinsen sogar einen kompletten Vortrag.

Im Gespräch darüber brachte er gleich zwei Dinge noch einmal auf den Punkt: Zum einen ist es bei der Zinsbetrachtung unerlässlich, immer die Inflation mit einzurechnen. Aktuelle Angebote bei Tagesgeldzinsen von drei Prozent und mehr laufen eben bei Inflationsraten von zuletzt über sechs Prozent in Deutschland ins Leere – die Realrendite bleibt schlicht und einfach negativ. Gleichzeitig treffen die gestiegenen Zinsen aktuell auf die extrem gestiegenen Staatsschulden. Und diese Schulden werden weiter steigen müssen – auch wenn man ihnen kreative Namen wie Sondervermögen gibt und so eine Art Etikettenschwindel betreibt. Damit bleiben die Herausforderungen für die Politik und somit auch für die Notenbanken groß.

Brisanter Mix: Hohe Staatschulden treffen auf hohe Zinsen

Tatsächlich sieht es jetzt in den USA so aus, als ob das Hoch bei den Zinsen erst einmal erreicht ist – auf einem Niveau von rund fünf Prozent. Allerdings hat Fed-Chef Jerome Powell auch nicht das definitive Ende der Zinsanhebungen verkündet. Somit lässt er sich eine Hintertür auf jeden Fall noch offen. Blicken wir zurück auf die vergangenen Jahrzehnte, dann war das einmal ein ganz normales Zinsniveau auf dem wir uns jetzt wieder befinden.

Die Phase der Nullzinsen hat unseren Blick schlicht und einfach getrübt. Über einige Jahre hinweg hatte Geld keinen Preis mehr in einer Welt der Nullzinsen. Diese Rückkehr zur Normalität läuft aber ohne Frage mit einer massiven Dynamik ab. Das verdeutlicht die folgende Abbildung mit den vergangenen Zinsanhebungszyklen.

Quelle: wsj.com

Klar wird: Aktuell haben wir in den USA nicht nur den stärksten Zinsanstieg seit rund 40 Jahren erlebt. Das Ganze fand auch noch in der kürzesten Zeit statt. Diese beiden Faktoren sollten wir bei der Beurteilung der Zinspolitik in den USA auf jeden Fall mit einfließen lassen. Immerhin ist in den USA jetzt die aktuelle Inflationsrate unter das aktuelle Zinsniveau gefallen. „Mission erfüllt“ könnte man da für die Fed sagen.

Doch ob es das jetzt wirklich schon gewesen ist in diesem Zinsanhebungszyklus wird sich schon bald zeigen. Gerade die Kerninflation liefert Signale, nach denen sie noch weiter hochbleiben wird. Die Zeichen deuten derzeit auf einer Plateaubildung bei den Zinsen in den USA hin, aber noch auf mindestens zwei Zinsanhebungen in der Euro-Zone.

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Kolumne von Stefan Riße
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