Ifo-Index steigt - "Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau"

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Berlin (Reuters) - Die insgesamt trübe Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar zwar leicht aufgehellt.

Dennoch bewegt sich Deutschland etwa wegen sinkender Investitionen und der Bau-Flaute am Rande einer Rezession. Das Ifo-Geschäftsklima - als wichtigster Gradmesser für die deutsche Konjunktur - stieg minimal um 0,3 auf 85,5 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Fachleute hatten damit gerechnet. Die Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage wie zuletzt, aber ihre Aussichten für die kommenden Monate etwas weniger pessimistisch als im Januar. "Die Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Im Dezember und Januar hatte sich das Ifo-Geschäftsklima noch eingetrübt und war zuletzt auf das niedrigste Niveau seit Mai 2020 gefallen, als die Corona-Pandemie die Wirtschaft im Klammergriff hielt. "Trotz kleiner Hoffnungsschimmer hält die Flaute in der deutschen Wirtschaft an", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Lage bleibt schwierig." Es zeichne sich ab, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2024 leicht sinke. Analyst Michael Herzum von der Fondsgesellschaft Union Investment erwartet hier ein Schrumpfen von 0,1 Prozent. "Die Industrie bleibt dabei ein Bremsklotz." Laut Ifo trübte sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ein. "Die aktuelle Lage wurde zuletzt im September 2020 so schlecht eingeschätzt", betonte Ifo-Chef Fuest.

EXPERTEN - DEUTSCHE WIRTSCHAFT SCHRUMPFT AUCH ANFANG 2024

Auch die Experten vom Vermögensverwalter Bantleon zeichneten ein dunkles Bild. "Die deutsche Wirtschaft steckt weiter in einer schweren Krise, keine Branche ist ausgenommen", sagte Analyst Jörg Angele. Die Ifo-Zahlen machten deutlich, dass die Wirtschaft "knietief in einer Rezession" sei. Das BIP schrumpfte von Oktober bis Dezember 2023 um 0,3 Prozent zum Vorquartal. "Im Herbst des vergangenen Jahres kurzzeitig aufgekeimte Hoffnungen auf eine konjunkturelle Trendwende müssen vorerst begraben werden", sagte Angele. Für einen Stimmungsumschwung fehle es an politischer Unterstützung, kritisierte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. "Das Rumgeeiere beim Wachstumschancengesetz wird Vertrauen kaum stärken."

Der Bundestag beschloss am Freitag das nach Bund-Länder-Beratungen im Finanzvolumen auf rund 3,2 Milliarden Euro halbierte Wachstumschancengesetz. Es sieht etwa Steuererleichterungen für Wohnungsbau und Firmen vor. Offen ist noch, ob das Gesetz die nötige Mehrheit im Bundesrat bekommt, da die Union darauf pocht, dass die Bundesregierung die Kürzung der Steuerhilfen für Diesel in der Landwirtschaft zurücknimmt.

BEVÖLKERUNG SCHAUT SKEPTISCH AUF DIE KONJUNKTUR

Auch bei den Bürgern macht sich Konjunkturpessimismus breit. Denn die große Mehrheit von 69 Prozent der Deutschen erwartet, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, wie aus dem ZDF-Politbarometer hervorgeht. Demnach rechnen 28 Prozent nicht mit einer größeren Veränderung, nur zwei Prozent erwarten eine positive Entwicklung.

Bei den Dienstleistern verbesserte sich das Geschäftsklima im Februar, auch wenn die Aufträge eher schwach blieben. Im Handel trübte sich die Stimmung erneut ein. Im Bauhauptgewerbe legte der Ifo-Index auf niedrigem Niveau leicht zu. Die Betriebe, die unter den hohen Bauzinsen leiden, bewerteten ihre Lage etwas besser. "Die Erwartungen sind jedoch gesunken - auf den niedrigsten Wert seit 1991", sagte Fuest.

Nach einer Stagnation im Frühjahr und Sommer schrumpfte die Wirtschaft Ende 2023 auch wegen sinkender Investitionen um 0,3 Prozent. "Im Schlussquartal bremsten die rückläufigen Investitionen die Konjunktur, während der Konsum leicht zulegte", sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamts, Ruth Brand. Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung nur noch ein mageres Wachstum von 0,2 Prozent. "Wir kommen langsamer aus der Krise als erhofft", räumte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck jüngst ein.

(Bericht von Klaus Lauer, Rene Wagner, Reinhard Becker, Christian Krämer und Holger Hansen; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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