BA-Chefin Nahles sieht keine Besserung am Arbeitsmarkt

Nürnberg (Reuters) - Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat auch im Mai keinen Schwung aufgenommen.
"Die Frühjahrsbelebung ist in diesem Jahr nicht richtig in Fahrt gekommen", sagte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, am Dienstag in Nürnberg. "Auch im Mai ließ die Besserung am Arbeitsmarkt weiter auf sich warten." Die Zahl der Arbeitslosen ging zwar um 27.000 auf 2,723 Millionen zurück, blieb aber deutlich unter der für Mai üblichen Abnahme. Die schwache Konjunktur überschattet laut Nahles den Arbeitsmarkt. Gleichwohl sieht die BA beim Fachkräftemangel keine Entspannung. Die Zahl der Berufe mit ausgeprägten Engpässen ging 2023 zwar leicht zurück. "Trotz einer zuletzt gestiegenen Arbeitslosigkeit können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber oft offene Stellen nicht besetzen", sagte Nahles.
Die Arbeitslosenzahl lag im Mai um 179.000 höher als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel im Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Erwerbslosenzahl saisonbereinigt von April auf Mai um 25.000 auf 2,762 Millionen. Das ist laut BA der größte saisonbereinigte Anstieg innerhalb eines Monats seit Oktober 2023.
"Der Arbeitsmarkt hält der konjunkturellen Flaute immer noch gut stand", erklärte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Dazu trägt bei, dass Unternehmen sich damit zurückhalten, knappe Fachkräfte zu entlassen." Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg erklärte, der Arbeitsmarkt könnte noch einige Zeit brauchen, um mehr in Schwung zu kommen: "Zuletzt mehrten sich die Signale, dass die deutsche Wirtschaft zumindest verhalten anzieht." Die Bauindustrie blickt aber skeptisch auf das Jahr und rechnet mit dem Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen.
LICHTBLICK BEI ANZEIGEN VON KURZARBEIT
Von einem kleinen Lichtblick sprach Nahles bei den Anzeigen von Betrieben, die mit Kurzarbeit rechnen. Diese Ankündigungen von voraussichtlicher Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen hätten im Mai 46.000 Beschäftigte betroffen. "Das ist deutlich weniger als im April", sagte die BA-Chefin. Die Zahl der Empfänger von Kurzarbeitergeld aus konjunkturellen Gründen stieg im März laut BA um 19.000 auf 219.000.
Die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit wirkt sich auch auf die Finanzen der Bundesagentur aus, die ihre Prognose bereits vor einem Monat an die schlechtere Konjunktur angepasst hatte. "Wir gehen in diesem Jahr und im nächsten Jahr davon aus, dass wir nur noch ein sehr knappes Plus erreichen können", sagte Nahles. "Also vielleicht weniger als eine Milliarde." Für das laufende Jahr rechnete die BA zuletzt mit einem Überschuss von 600 Millionen Euro. Allein für das Arbeitslosengeld geht die BA von Mehrausgaben von 1,6 Milliarden Euro im Vergleich zur Finanzplanung vom vergangenen Herbst aus.
Trotz höherer Arbeitslosenzahl liegen Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich über den Vorjahreswerten. Die Erwerbstätigenzahl übertraf im April nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes mit 45,92 Millionen den Wert ein Jahr zuvor um 109.000. Die sozialabgabenpflichtige Beschäftigung ging nach BA-Hochrechnungen im März saisonbereinigt zwar im Vormonatsvergleich um 3000 zurück, lag mit 34,81 Millionen aber um 134.000 über dem Vorjahr.
(Bericht von Reuters-TV; geschrieben von Holger Hansen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)