EZB bemängelt Zaudern vieler Banken bei Rückstellungen für Kreditrisiken

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Frankfurt (Reuters) - Viele Banken im Euro-Raum kommen laut EZB trotz Fortschritten beim Umgang mit Klimarisiken nicht den Anforderungen der Bilanzierungsregeln zur Absicherung gegen Kreditausfälle nach.

Viele Banken seien noch weit davon entfernt, die Erwartungen des Bilanzierungsstandards IFRS 9 für Rückstellungen und Wertberichtigungen zu erfüllen, sagte EZB-Chefbankenaufseherin Claudia Buch am Dienstag auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bankenaufsicht laut Redetext. Auch die EU-Bankenbehörde EBA hatte 2023 bemängelt, dass Finanzinstitute den Bilanzierungsstandard für drohende Kreditausfälle nur unzureichend anwendeten.

"Das ist ein Thema, dass nicht alle Banken gute Absicherungspraktiken besitzen", sagte Buch. Manchmal werde nur auf die Entwicklung des Wirtschaftswachstums geschaut. Kreditrisiken hingen aber nicht davon ab. Das mit dem Engagement in verschiedene Sektoren verbundene Risiko könne von Institut zu Institut zudem ganz unterschiedlich sein.

Das Risikomanagement der Banken ist ein Themenfeld, das die Bankenkontrolleure derzeit angesichts neuer Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg und andere geopolitische Konflikte und die Zinsentwicklung Blick haben. Die EZB ist für die Überwachung der Großbanken im Euroraum zuständig. Sie überwacht derzeit 112 Geldhäuser.

Der seit 2018 in der EU geltende Standard IFRS 9 ist eine Rechnungslegungsvorschrift, mit der die Bankenregulierer auf die Finanzkrise 2008 reagiert haben. Verhindert werden soll damit unter anderem, dass Banken nur verspätet und in zu geringem Umfang auf drohende Kreditausfälle reagieren. Institute müssen daher unter IFRS 9 in größerem Umfang Vorsorge über Rückstellungen bilden, wobei deren Höhe nach den Ausfallrisiken bemessen wird. Bei einem erheblichen Anstieg des Kreditrisikos - wenn dieser etwa ganz ausfallen könnte - muss eine komplette Vorsorge getroffen werden. Werden die Vorschriften nicht richtig angewendet, ist es für Aufseher schwierig, festzustellen, ob Banken genügend Vorsorge getroffen haben und die nötige Eigenkapitalausstattung besitzen.

Buch bemängelte unter anderem, dass manche Institute einfach die allgemeinen Prognosen für das Wirtschaftswachstum absenkten, die sie für die Berechnung der erwarteten Verluste nutzten. Dabei würden womöglich Störungen der Handelsströme außer Acht gelassen, die einige exportorientierte Kunden bedrohen könnten, während sich das nur sehr geringfügig auf das allgemeine Wachstum auswirke, sagte sie. "Diese Praxis unterschätzt die wahren Ausfallrisiken, denen die Banken ausgesetzt sind." Viele Banken hätten es zudem versäumt, ihre Kredite angemessen umzuklassifizieren. Bei IFRS werden Kredite in drei Stufen eingeteilt, je nachdem, wie hoch ihre Wahrscheinlichkeit ist, dass die Zahlungen ausbleiben. Entsprechend steigen die Rückstellungen für Banken bei Neueinordnung in eine höhere Stufe.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)