Zinshoffnungen stützen Europas Börsen - VW unter Druck

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Frankfurt (Reuters) - Europas Börsen haben zur Wochenmitte zugelegt. Dax und EuroStoxx50 gewannen bis zum Mittag je 0,8 Prozent auf 18.373 und 4942 Punkte.

"Die Hoffnung auf Zinssenkungen ist zwar weiter vorhanden, ihre Zugkraft für Kursgewinne am Aktienmarkt aber dürfte über den Sommer deutlich nachlassen", mahnte aber Marktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets. Notenbank-Chef Jerome Powell steht am Nachmittag (MESZ) bei einer Anhörung im Kongress den zweiten Tag in Folge Rede und Antwort. Deutliche Hinweise auf den Zeitpunkt einer Zinssenkung lieferte er den Börsianern bislang nicht. Zudem bleibt die unsichere politische Lage in Frankreich in den Hinterköpfen der Anleger, warnte Molnar. Sollten dann noch die Inflationsdaten am Donnerstag oder die ersten großen Firmenbilanzen der anrollenden Berichtssaison enttäuschen, könne der Dax wieder unter die Marke von 18.000 Punkten rutschen.

PREISENTWICKLUNG IN CHINA SCHÜRT DEFLATIONSÄNGSTE

Bange Blicke warfen die Anleger auch nach China: trotz der Konjunkturerholung ist die Gefahr einer wirtschaftsschädlichen Deflation noch nicht gebannt. Die Verbraucherpreise stiegen in der Volksrepublik im Juni zwar zum fünften Mal in Folge. Angesichts der noch immer schwachen Nachfrage fiel der Zuwachs mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat jedoch sehr gering aus. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen doppelt so hohen Wert erwartet. Daher konnten die Daten die Furcht vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Konsum- sowie Investitionszurückhaltung, die der Wirtschaft schadet, nicht ausräumen. Das schlug sich an den Rohstoffmärkten in fallenden Industriemetallpreisen nieder. Kupfer verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 9827 Dollar je Tonne, Nickel fiel um 0,5 Prozent auf 17.065 Dollar.

VW HALTEN ROTE LATERNE IM DAX NACH PROGNOSEKAPPUNG

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgte eine Prognosekappung von Volkswagen. Die Papiere gingen zunächst auf Zick-Zack-Kurs und landeten zuletzt mit einem Abschlag von 1,4 Prozent am Dax-Ende. Der Autokonzern stellt wegen der schwachen Nachfrage nach seinem Oberklasse-Elektroauto Audi Q8 e-tron sein Werk in Brüssel auf den Prüfstand und rechnet mit Zusatzbelastungen. "Die Gewinnwarnung war nicht erwartet worden", sagte ein Händler. Analysten zufolge steht der Autobauer unter Druck, seine überschüssigen Produktionskapazitäten deutlich abzubauen. "Die Leute sind besorgt, weil die Schlagzeilen die Sorge verstärken, dass VW in Schwierigkeiten steckt. Aber das ist ein Geschäft mit zu hohen Kosten und sie gehen das an", sagte Philippe Houchois von der Investmentbank Jefferies.

Aktien von Porsche AG führten hingegen mit einem Plus von 3,9 Prozent die Dax-Gewinner an. Der Autobauer habe bei Analysten mit seinen Erläuterungen im Zuge der Quartalszahlen wohl einen guten Eindruck hinterlassen, sagte ein Händler.

Aktienanleger griffen ansonsten vor allem bei europäischen Immobilien- und Energiewerten zu. Die Sektorindizes gewannen 1,4 und 0,8 Prozent. Vonovia-Aktien legten mehr als drei Prozent zu. Vorstandschef Rolf Buch sieht keine massiven Abwertungen mehr für seinen Immobilienkonzern. Die Aussicht auf ein schrumpfendes Geschäft drückte hingegen in London die Aktien von Barratt Developments um rund drei Prozent. Der britische Eigenheim-Bauer rechnet bis zum Geschäftsjahr 2025 mit einem Rückgang seiner Bauziele um bis zu sieben Prozent. "Die höheren Zinssätze haben den britischen Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren ins Stocken gebracht", sagt Analyst Mark Crouch von der Investmentplattform eToro.

(Bericht von Anika Ross, Mitarbeit von Philipp Krach, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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