Polizei - IS-Anhänger plante Anschlag auf Taylor-Swift-Konzert in Wien
- von Alexandra Schwarz-Goerlich
Wien (Reuters) - In Österreich wollte ein Anhänger der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) bei einem Konzert des US-Popstars Taylor Swift nach Polizeiangaben mit Sprengstoff und Waffen viele Menschen töten.
Der an seinem Wohnsitz nahe Wien festgenommene 19-Jährige habe ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagte der Direktor für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Omar Haijawi-Pirchner, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Er habe mit Sprengstoff sowie Hieb- und Stichwaffen eine Menschenmenge außerhalb des Stadions angreifen und anschließend sich selbst töten wollen. "Er ist klar radikalisiert und findet es richtig, ungläubige Menschen zu töten." Karten für das Konzert habe er nicht gehabt. Der österreichische Staatsbürger mit nordmazedonischen Wurzeln hat sich nach Behördenangaben im Internet radikalisiert und erst kürzlich einen Treueschwur auf den IS-Anführer abgegeben.
"Eine Tragödie konnte verhindert werden", sagte Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Zusammengefasst könne er sagen, "die Lage war ernst, die Lage ist auch weiterhin ernst". Der konservative Politiker räumte ein, dass die Bedrohungslage in Europa verschärft sei und Großkonzerte ein bevorzugtes Ziel von islamistischen Attentätern wären. Er habe daher Verständnis für die Entscheidung des Veranstalters, das Konzert abzusagen. Österreich hatte im Oktober die Terrorrisikostufe auf die Stufe vier, das ist die vorletzte Stufe, erhöht.
Die populäre US-Sängerin hatte für Donnerstag, Freitag und Samstag drei Konzerte in Wien geplant. Die Polizei rechnete mit täglich rund 65.000 Besuchern und Tausenden Fans rund um das restlos ausverkauft Ernst-Happel-Stadion. Nach Bekanntwerden der Anschlagspläne und den von der Polizei angekündigten verschärften Zutrittskontrollen und Sicherheitsmaßnahmen, hatte der Veranstalter Barracuda Music die Konzerte noch Mittwochnacht abgesagt. Die Absage sei eine Entscheidung des Veranstalters gewesen. "Wir haben zu keinem Zeitpunkt darauf gedrängt", sagte der DSN-Chef.
KONKRETE VORBEREITUNGEN FÜR ANSCHLAG
Nach Angaben des Direktors für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, hat der junge Mann Mitte Juli seinen Job gekündigt und dabei die Äußerung getätigt: Er habe Großes vor. Seitdem habe er seinen Fokus auf die Vorbereitung des Anschlages samt Herstellung von Sprengstoff gelegt. Auch habe er sein äußeres Erscheinungsbild auffällig verändert. Bei der Hausdurchsuchung am Wohnort des 19-Jährigen in Ternitz in Niederösterreich habe die Polizei unterschiedliche chemische Substanzen sichergestellt, darunter einen funktionsfähigen Sprengstoff sowie Macheten und Messer. Zudem sei ein Blaulicht sichergestellt worden, das möglicherweise vorgesehen war, um als Polizei getarnt leichter auf das Gelände zu gelangen.
Neben dem Hauptverdächtigen wurde nach Angaben der Behörden ein weiterer 17-Jähriger Österreicher festgenommen. Er soll bei einem Unternehmen angestellt sein, das rund um die Konzerte im Stadion Dienstleistungen hätte durchführen sollen. Er habe laut dem DSN-Chef in den vergangenen Tagen umfangreichen Kontakt mit dem Beschuldigten gehabt und sei den Behörden bekannt. Der gebürtige Wiener habe bisher die Aussage verweigert. In die Pläne involviert dürfte auch ein 15-Jähriger mit türkischem Hintergrund sein. Er werde derzeit von der Polizei befragt. Weitere Verdächtige gebe es nicht, sagte Ruf.
Der entscheidende Hinweis, dass die Swift-Konzerte Ziel terroristischer Anschläge sein könnten, kam offenbar von einem ausländischen Nachrichtendienst. US-Medien zufolge soll der amerikanische Geheimdienst die österreichischen Behörden und Europol über die mutmaßliche Gefahr in Wien informiert haben. In Österreich bestätigten die Behörden eine Zusammenarbeit mit internationalen Partnerdiensten. Im Detail wollte man sich aber nicht dazu äußern.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich; Mitarbeit von Markus Wacket.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)