Ifo-Experte - Deutschland hat sich in der Stagnation eingerichtet

Berlin (Reuters) - Ein Aufschwung in Deutschland lässt dem Ifo-Institut zufolge wegen der Konsumzurückhaltung der Verbraucher, einem weit verbreiteten Auftragsmangel und der anhaltenden Investitionsschwäche auf sich warten.
"Die deutsche Wirtschaft hat sich in der Stagnation eingerichtet", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wandern beim Wachstum schon länger an der Nulllinie entlang." Im dritten Quartal könne es sogar einen weiteren Rückgang des Bruttoinlandsproduktes geben, nachdem es schon im Frühjahr ein leichtes Minus von 0,1 Prozent gegeben hatte.
Ein Grund für die Misere: Die Verbraucher halten sich weiter beim Einkaufen zurück und sparen lieber, als ihr Geld in den Geschäften auszugeben. "Der Konsum kommt nicht in die Gänge", sagte Wohlrabe, dessen Institut monatlich Tausende Unternehmen befragt. "Die Verbraucher trauen dem Rückgang der Inflation noch nicht so richtig."
Auch die Unternehmen zeigen sich knausrig. "Wir sehen eine Investitionsschwäche", sagte der Experte. "Die ist getrieben durch wirtschaftspolitische Unsicherheit." Viele Unternehmen klagten zudem noch immer über einen Auftragsmangel, und zwar quer durch alle Branchen. Da auch die Exporterwartungen im August gesunken seien, dürfte die Auslandsnachfrage vorerst nicht zum Rettungsanker werden - trotz der robusten Weltkonjunktur. "Es gibt kaum Lichtblicke", fasste Wohlrabe zusammen.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich auch im August weiter verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima sank auf 86,6 Zähler von 87,0 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut zuvor zu seiner Umfrage unter Tausenden Führungskräften mitteilte. Es war bereits der dritte Rückgang in Folge. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Fachleute hatten sogar mit einem Minus auf 86,0 Zähler gerechnet.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)