Dax gibt nach – Sorge bei Bayer um Erfolg im Glyphosat-Vergleich trübt die Stimmung, Wirecard schießt nach oben, Jenoptik im Aufwind

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Gewinnmitnahmen und Kursverluste beim Dax-Schwergewicht Bayer haben Europas Börsen am Dienstag nach unten gezogen.

Dax gibt nach – Sorge bei Bayer um Erfolg im Glyphosat-Vergleich trübt die Stimmung, Wirecard schießt nach oben, Jenoptik im Aufwind

Der Dax verlor 0,9 Prozent auf 12.616 Punkte, der EuroStoxx50 büßte ähnlich stark ein. Zum Wochenstart hatten die Börsen gut eineinhalb Prozent zugelegt. Auch an den US-Börsen machten einige Anleger nach der jüngsten Rally lieber Kasse.

„Die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung der Wirtschaft ist zwar noch sehr groß“, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. „Sie wird allerdings von den Sorgen um die wachsenden Coronavirus-Infektionen gedämpft.“ Entsprechend blieb die „Antikrisen-Währung“ Gold weiter gefragt. Der Preis für das Edelmetall war mit 1796,09 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie seit November 2011 nicht mehr.

Grundsätzlich gingen Investoren aber immer noch davon aus, dass das Schlimmste in der Virus-Krise überstanden sei. „Zudem schüren die jüngsten Konjunkturdaten die Hoffnung, dass sich die Weltwirtschaft auf einem stabilen Erholungskurs befindet“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

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In dieses Bild passte der Anstieg der deutschen Industrieproduktion. „Nach dem epochalen Absturz im März und April ist das Zahlenmaterial für den Mai eine reine Labsal - auch wenn der Zuwachs hinter den Erwartungen zurückbleibt“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank.

Glyphosat-Vergleich auf der Kippe?

Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt trübte Bayer, nachdem ein US-Richter Zweifel an einem Teil des milliardenschweren Vergleichspakets um den umstrittenen Unkraut-Vernichter Glyphosat geäußert hatte. Der Leverkusener Agrarchemie- und Pharmakonzern teilte mit, er nehme die Bedenken ernst und werde diese bei einer vorläufigen Anhörung am 24. Juli adressieren. Bayer-Aktien fielen um knapp fünf Prozent auf 63,75 Euro.

In London rutschten die Aktien von Whitbread zeitweise um 5,5 Prozent ab. Durch die Pandemie-Restriktionen brach der Quartalsumsatz der auch in Deutschland aktiven Kneipen- und Hotelkette um 79 Prozent ein. Diese Zahlen kämen zwar nicht überraschend, kommentierte Analyst Stefano Bertolini von der Investmentbank Jefferies. Allerdings seien die Markterwartungen für das Gesamtjahresergebnis immer noch zu hoch. Die Warnung vor einem überraschend deutlichen Umsatzschwund schickte Sodexho-Titel auf Talfahrt. Die Aktien des Caterers fielen in Paris um rund vier Prozent.

Insgesamt standen europäische Titel aus dem Reise- und Tourismussektor unter Druck. Anhaltend niedrige Passagierzahlen schickten Fraport auf Talfahrt. Die Aktien des Flughafenbetreibers fielen um 3,6 Prozent. Am Airport Frankfurt lag das Passagieraufkommen den Angaben zufolge in der vergangenen Woche fast 84 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Aktien der Lufthansa stiegen um rund 0,7 Prozent. Nach Vereinbarung des staatlichen Rettungspakets hat die Fluglinie weitere Einsparungen beschlossen.

Tiefrote Zahlen schickten Bang & Olufsen auf Talfahrt. Die Titel des dänischen Anbieters von Luxus-Fernsehern und -Musikanlagen gaben in Kopenhagen 2,7 Prozent nach. Das angeschlagene Unternehmen machte wegen eines Umsatz-Einbruchs um fast 30 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr einen operativen Verlust von umgerechnet 47 Millionen Euro.

Die sehr schwankungsanfälligen Anteilsscheine des nach einem Bilanzskandal ums Überleben kämpfenden Zahlungsdienstleisters Wirecard schnellten im späten Handel steil nach oben und schlossen als Dax-Spitzenreiter rund 23 Prozent höher. Im frühen Geschäft waren sie noch um rund 18 Prozent abgesackt. Für Teile des Zahlungsabwicklers gibt es offenbar reges Interesse unter den Investoren. Für das Kerngeschäft mit der Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten sowie davon unabhängige Geschäftsbereiche des Konzerns hätten sich zwischenzeitlich bereits mehr als 100 Interessenten gemeldet, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé mit.

Die Jenoptik-Aktien profitierten von einem positiven Analystenkommentar der Commerzbank und gewannen rund 3 Prozent. Mit der Übernahme von Trioptics ergänze der Technologiekonzern sein Produktportfolio, schrieb Analyst Michael Junghans. Der Zukauf dürfte nicht gerade günstig gewesen sein, sollte sich aber unmittelbar wertsteigernd auf Jenoptik auswirken.

onvista/dpa-AFX/reuters

Titelfoto: H-AB/Shutterstock.com

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