Thyssenkrupp: Prognoseerhöhung mit Halbjahres-Zahlen - Aktie hat mehr Vertrauen verdient

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Seit Jahresanfang hat die Aktie von Thyssenkrupp einen schweren Stand bei den Anlegern. Nach den turbulenten Zeiten in der Vergangenheit ist das Vertrauen noch nicht wieder zu 100 Prozent hergestellt. Immer wenn es stürmisch wird, ziehen Anleger bei Thyssenkrupp schneller die Reißleine. Zu Jahresanfang konnte der Kurs sogar in den zweistelligen Bereich vordringen, kippte danach aber kontinuierlich ab bis unter die Marke von 7 Euro. Dabei hatte Martina Merz bereits mit den Zahlen für das erste Quartal die Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Heute setzt die Vorstandsvorsitzende noch eins oben drauf und erhöht die Prognose. Das kommt bei den Anlegern gut an. Die Aktie liegt mehr al 6 Prozent im Plus. 

Die üblichen Probleme gut im Griff

Der Stahl- und Industriekonzern hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet und erhöht die Prognosen für seine operativen Kennziffern. So profitiert das Unternehmen von höheren Preisen im Materialhandel sowie im Stahlgeschäft, wie Thyssenkrupp am Mittwoch in Essen mitteilte. Dadurch hätten Belastungen insbesondere in den auto- und komponentenbezogenen Geschäften durch steigende Vormaterial-, Logistik- und Energiekosten sowie die Verschärfung der Lieferkettenprobleme bislang mehr als ausgeglichen werden können. Auch trägt der Restrukturierungskurs weitere Früchte.

Umsatzprognose wird angehoben

Thyssenkrupp erwartet nun für 2021/22 (per Ende September) einen Umsatzanstieg im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Bislang war der Konzern von einem mittleren einstelligen prozentualen Wachstum ausgegangen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll von 796 Millionen auf mindestens zwei Milliarden Euro steigen. Zuvor hatte das Management um Konzernchefin Martina Merz bis zu 1,8 Milliarden in Aussicht gestellt. Analysten hatten ebenfalls mit einem Wert in dieser Größenordnung gerechnet. Die Erwartung eines Jahresüberschusses von mindestens einer Milliarde Euro bleibe bestehen.

Dazu erwartet Thyssenkrupp nun einen freien Mittelabfluss vor Fusionen und Akquisitionen im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Das Unternehmen hatte die Prognose dieser von Analysten viel beachteten Kennziffer Mitte März wegen der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zwischenzeitlich ausgesetzt. Insgesamt steht der Ausblick von Thyssenkrupp unter der Bedingung, dass fossile Energieträger und hier besonders Erdgas sowie Rohstoffe weiter uneingeschränkt zu bekommen sind und die Rohstoff- und Energiekosten auf dem Niveau des zweiten Quartals bleiben.

Chefetage ist weiter guten Mutes

Mit der Entwicklung zeigte sich Konzernchefin Merz zufrieden: "Trotz erschwerter Bedingungen in unseren auto- und komponentenbezogenen Geschäften hatten wir ein gutes zweites Quartal." Das Unternehmen habe Widerstandsfähigkeit bewiesen und die Ergebnisse deutlich verbessert. "Mit unserer dezentralen Aufstellung als Unternehmensgruppe sind wir in der Lage, schneller als in der Vergangenheit auf neue Herausforderungen zu reagieren.

"Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um knapp ein Viertel auf 10,6 Milliarden Euro. Getrieben wurde das Wachstum von höheren Preisen im Materialhandel und im Stahlgeschäft, welches so Lieferengpässe und damit verbundene schwächere Abrufe aus der Automobilindustrie mehr als ausgleichen konnte. Das bereinigte Ebit des Konzerns legte von 220 auf 802 Millionen Euro zu. Analysten hatten bei beiden Kennziffern mit deutlich weniger gerechnet. Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp 565 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 211 Millionen angefallen war.

Der freie Mittelabfluss vor Fusionen und Akquisitionen (Free Cashflow vor M&A) betrug 772 Millionen Euro und lag damit etwas über dem Vorjahresquartal. "Die dynamische Entwicklung bei den Rohstoff- und Materialpreisen belasten derzeit unseren Cashflow", sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg. "Wir gehen aber davon aus, dass wir uns in den Folgequartalen sequenziell verbessern werden. Die Rückkehr zu einem positiven Free Cashflow vor M&A bleibt unser vorrangiges Ziel."  

Aktie hat etwas mehr vertrauen verdient!

Cheflenkerin Martina Merz hat den Konzern im Griff und bringt ihm immer mehr auf Vordermann. Das spiegelt sich Quartal für Quartal in den Zahlen wieder. Trotzdem trauen viele Anleger dem Braten noch nicht so recht. Immer wenn es stürmisch an den Börsen wird, dann gerät die Aktie von Thyssenkrupp schnell unter Druck. Für uns hat die Aktie mehr Vertrauen verdient. Wir gehen davon aus, dass Martina Merz auch weiterhin einen guten Job macht. 

Sobald sich die Stimmung an den Märkten aufhellt hat der MDax-Konzern noch den Börsengang seiner Wasserstoff-Tochter Nucera in der Hinterhand. Das könnte für weitere Phantasie im Kurs sorgen. Wir gehen davon aus, das der Kurs langfristig wieder in den zweistelligen Bereich zurückkehrt. Anleger, die bereit sind Thyssenkrupp ein wenig mehr zu vertrauen, sollten nach einen kurzen Beruhigung im Kurs einsteigen. 

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