onvista Börsenfuchs: Spinnt die Börse?

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Hallo Leute! Das renommierte Ifo-Institut kappt seine Wirtschaftsprognose „drastisch“, denn es erwartet eine Kombination aus Rezession und Inflation. Zur gleichen Stunde zeigt der Dax Muskeln, präsentiert sich der deutsche Aktienmarkt erneut in fester Verfassung. Da kratzt du dich als alter Fuchs doch an der Birne: Wie passt das zusammen, spinnt die Börse jetzt?

Das Ifo ist nicht irgendwer, sondern ein auch von den Kapitalmarkt-Akteuren besonders ge- und be-achtetes Institut. Und von den Aktienkursen weiß man, dass sie zwar immer wieder mal übertreiben – nach oben oder unten –, letztlich aber der Wirtschaftsverlauf und die Unternehmensentwicklung (insbesondere die Ertragsentwicklung) den Ausschlag geben. Dazu wird die Stimmung an der Börse insgesamt maßgeblich von der Geldpolitik der Zentralbanken mitbestimmt.

Nur nebenbei: Früher hat man noch auf dem Parkett (also „physisch“) über Anlegerverhalten und Gründe diskutiert. Wenn dann ein Journalist dazu kam und allzu naiv einen Händler fragte, warum der Markt denn so fest sei, bekam er oft als Antwort: „Mehr Käufer als Verkäufer“. Und heute?

Ihr habt sicher vom „TINA-Prinzip“ gehört oder gelesen, meine Freunde, von der Abkürzung für „There Is No Alternative“. Das gilt seit vielen Jahren im Nahe-Null-Zinszeitalter. Anleger finden keine attraktive Alternative zu Aktien. Dazu kommt das „FOMO-Phänomen“, das die Sorge beschreibt, etwas zu verpassen („Fear Of Missing Out“). Das wird gerne herangezogen, wenn die Kurse einen Aufwärtstrend zeigen, ohne dass es dafür starke fundamentale Gründe gibt. Herdentrieb.

Und die Fundamentals sehen laut Ifo schlimm aus. „Wir gehen in eine Winter-Rezession“, sagt Timo Wollmershäuser, der Leiter der Konjunktur-Prognosen. Im kommenden Jahr erwartet das Institut nun ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, für dieses Jahr nur noch 1,6 Prozent Wachstum. Die Geldentwertung dürfte in diesem Jahr bei durchschnittlich 8,1 und im kommenden Jahr sogar bei 9,3 Prozent liegen.

Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona. Erst 2024 wird eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation erwartet. Im Vergleich zum Juni senkt das ifo seine Wachstumsprognose für 2023 deutlich um 4,0 Prozentpunkte und erhöht die Inflationsprognose kräftig um 6,0 Prozentpunkte. Das sind ungewöhnlich hohe Änderungen in einem so kurzen Zeitraum. zurück und die Kaufkraft sinkt spürbar.

Zu dieser düsteren Vorhersage passt eine aktuelle Aktienmarktanalyse von DJE Kapital. Fazit: Sowohl die USA als auch Asien bieten derzeit attraktivere Chancen für Investoren als Deutschland und Europa. Das liegt vor allem an der Verunsicherung über die weitere Energiepreisentwicklung und die damit verbundenen Belastungen für die deutsche und europäische Wirtschaft. Europäische Aktien und deutsche Staatsanleihen erwartet ein weiterhin schwieriges Umfeld.

Unternehmensanleihen bieten bei mittleren Laufzeiten selektiv Chancen. Die Investmentgesellschaft rechnet damit, dass der September für die Börsen ein eher schwieriger Monat werden wird, insbesondere für europäische Aktienwerte und deutsche Staatsanleihen.

Deshalb: „Aus unserer Sicht ist der US-Markt gegenüber Deutschland und Europa unverändert attraktiver, weil er das bessere Chance-Risiko-Verhältnis bietet.“ Ich teile diese Einschätzung.

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