onvista Börsenfuchs: Tief durchatmen für 2023 und danach

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Quelle: onvista

Hallo Leute! In ein paar Tagen beginnt die neue Zeitrechnung. Aber nicht nur im Kalender, sondern überall – auch für Wirtschaft und Börsen. Was hat sich nicht alles 2021/22 bewegt, konkret verändert!

Es gab einige einschneidende Veränderungen: Zum einen die Rückkehr der Inflation und damit einhergehend ein recht abrupter Abschied vom Niedrigzinsumfeld des letzten Jahrzehnts. Zum anderen eine so nie erlebte Pandemie und die Rückkehr des Kriegs nach Europa, daraus folgend die Energiekrise und erhöhte geopolitische Unsicherheit.

Jetzt grübeln alle Börsianer, wo und wie 2023 anders aussehen dürfte. Wenn man die Geopolitik einmal außer Acht lässt (was eigentlich nicht geht), dann lassen sich zwei Entwicklungen vorzeichnen: Es sollte ein Jahr werden, in dem die Auswirkungen der Umbrüche deutlicher werden.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA im Laufe des Jahres 2023 ist gestiegen, hauptsächlich als Resultat einer die Konjunktur abbremsenden Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) und der nach starken Realeinkommensverlusten eingetrübten Stimmung der Konsumenten. Die Inflation sollte in vielen wichtigen Volkswirtschaften ihren Höhepunkt überschritten haben, vor allem aufgrund fallender Energie- und Güterpreise, was Konsumenten etwas entlastet.

Die Arbeitsmärkte bleiben jedoch angespannt und die Kern- und Dienstleistungsinflation dürfte nur allmählich zurückgehen. Ein Erreichen des 2-Prozent-Inflationsziels, welches viele der großen Zentralbanken ansteuern, erscheint in weiter Ferne – die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Es gibt aber auch die These, dass es überall zu Gegenbewegungen kommen wird, das heißt zu tendenziellen Verknappungen auf allen möglichen Ebenen – von Zinsen und Liquidität über Konjunkturverlauf bis zu weiteren Engpässen auf dem Energiesektor.

Mit anderen Worten: Manche Vordenker sagen eine Fortsetzung der strukturellen und aktuellen Veränderungen von 2021/22 voraus, andere Experten sehen als neuen Trend eher eine Art Mangelwirtschaft.

Die Schlussfolgerung daraus nach Einschätzung der Analysten von Allianz Global Investors: Das Ende der Fahnenstange bei den Zinserhöhungen wesentlicher Zentralbanken dürfte noch nicht erreicht sein. Die Leitzinsen steigen voraussichtlich weiter (erst einmal), beziehungsweise bleiben länger erhöht als derzeit von den Geldmärkten erwartet.

Für Anleger dürfte dies zunächst ein weiter unruhiges Marktumfeld bedeuten. Gleichzeitig bietet es Chancen für einen Neuanfang, d. h. eine neue Ausrichtung des Portfolios. Mit dem Fortschreiten des Zinserhöhungszyklus und angesichts höherer Renditen sollten die Staatsanleihemärkte im Jahresverlauf wieder einen Blick wert sein. Je mehr Risiken für Konjunktur und Kreditwürdigkeit in den Zinsaufschlägen für Unternehmensanleihen vorweggenommen werden, desto attraktiver ist auch dort der Einstieg.

Aktienmärkte finden gewöhnlich im Verlauf einer Rezession ihren Tiefpunkt, wenn Entwicklungen als weniger schlecht wahrgenommen werden können und sich der Konsens aufmacht, die sprichwörtliche „Mauer der Sorgen“ heraufzuklettern. In der Zeit bis dahin wäre es hilfreich, wenn die Gewinnschätzungen der Analysten die gestiegenen Risiken für einen Konjunkturabschwung widerspiegelten.

In einem Umfeld, in dem Geld nicht mehr annähernd zinslos verliehen wird, erscheinen Unternehmen mit stetigen Cash-flows, die als Einkommen unmittelbar heute bei den Anlegern ankommen, wieder attraktiver. Vielschichtige Themen wie nationale Sicherheit, welche Bereiche wie Nahrung, Energie und Cybersicherheit bündelt, erscheinen u.a. besonders interessant.

Wie auch immer: Bereitet Euch gut auf das neue Jahr vor, meine Freunde, und versucht (wo immer möglich) langfristiges Investment gegenüber kurz- bis mittelfristigen Engagements zu bevorzugen!

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