„Tür für Zinswende weit offen"

US-Inflation flaut weiter ab

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
Quelle: Pla2na/Shutterstock.com

Die Inflation in den USA weicht überraschend weiter zurück und ebnet damit den Weg für eine baldige Zinswende.

Die Teuerungsrate sank im Juli auf 2,9 Prozent, nach 3,0 Prozent im Juni, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten mit einer Stagnation auf dem Vormonatswert gerechnet. Der Abwärtstrend bei der Inflation hielt jedoch an, wenngleich es nur minimal nach unten ging. Die Notenbank Federal Reserve werde im September die Weiche Richtung Leitzinssenkung stellen, sagt Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank voraus.

Die Fed bekämpft die Inflation mit einer Hochzinspolitik, hat eine baldige Lockerung jedoch bereits ins Auge gefasst. Die Jahresrate bei der Teuerung hat sich seit einem Höchststand von 9,1 Prozent im Juni 2022 erheblich abgeschwächt, da höhere Kreditkosten die Nachfrage hemmen. Obwohl die Inflation immer noch hoch ist, bewegt sie sich in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der US-Notenbank. NordLB-Analyst Tobias Basse verweist darauf, dass die Teuerungsrate bereits ganz leicht unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 3,0 Prozent gelandet ist: "Dies ist sicherlich eine wichtige Nachricht."

Im Vergleich zum Vormonat nahm der Preisdruck im Juli um 0,2 Prozent zu, so wie es Bankvolkswirte erwartet hatten. "Dabei wird die allgemeine Inflationsrate nur von einer einzigen Preisgruppe getrieben, nämlich den Wohnkosten. Diese trugen im Juli 90 Prozent zum Anstieg des Konsumentenpreisindex bei", erläutert LBBW-Experte Dirk Chlench. Er sieht die Tür für eine Zinssenkung weit offen, die seiner Ansicht nach mit einem halben Prozentpunkt ungewöhnlich groß ausfallen könnte.

Rezessionsangst hat sich wieder gelegt

Derzeit liegt der geldpolitische Schlüsselsatz noch in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Bei der nächsten Zinssitzung im September steht laut Fed-Chef Jerome Powell eine Senkung zur Debatte, falls die Daten mehr Zuversicht in ein nachhaltiges Abflauen des Preisdrucks in Richtung des Inflationsziels vermitteln. Die US-Währungshüter haben auf dem Weg zur Zinswende auch die sogenannte Kernrate im Blick, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden. Diese Kennziffer sank im Juli weiter - und zwar auf 3,2 Prozent, nach 3,3 Prozent im Juni.

Die Fed will zwar die Inflation mit ihrer straffen geldpolitischen Linie drücken, dabei aber den Konjunkturmotor nicht abwürgen. Anfang des Monats waren an den Finanzplätzen Zweifel aufgekommen, dass dieser Balanceakt gelingen wird: Im Zuge schwächer als erwartet ausgefallener Arbeitsmarktdaten machte sich Rezessionsangst breit. Diese Panik hatte zu Spekulationen geführt, die Notenbank könne sich zu einer Not-Zinssenkung außerhalb des regulären Terminkalenders gezwungen sehen.

Mittlerweile hat sich die Furcht vor einer Talfahrt der Wirtschaft etwas gelegt, auch wegen positiver Signale aus dem für die US-Konjunktur so wichtigen Servicesektor. Laut dem US-Währungshüter Austan Goolsbee sieht es noch nicht nach einer Rezession aus.

Der überraschende Rückgang der US-Inflation hat an der Wall Street nur einen minimalen Kaufanreiz gesetzt. Dass die Fed die Zinswende einläuten wird, gilt unter Börsianern als gesetzt. "Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen im September senken wird, vor allem aufgrund der steigenden Arbeitslosenquote und als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Rezession", erläuterte Stefan Koopman, Stratege bei der Rabobank.

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