Geldpolitik bei stärkerer Fragmentierung gefordert

Frankfurt (Reuters) - Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht bei einem stärkeren Auseinanderdriften der großen Wirtschaftsräume auch die Geldpolitik gefordert.
Sollte im Zuge einer zunehmenden wirtschaftlichen Fragmentierung künftig der Inflationsdruck steigen, hätten Notenbanken alle Mittel, um einer solchen Situation zu begegnen, sagte Nagel am Montag auf einer Veranstaltung in Tokio laut Redetext. Für die Europäische Zentralbank (EZB) würde das am Ende bedeuten, dass sie höhere Zinsen beschließen müsste, um die Inflation in Schach zu halten.
"Falls wir in Zukunft mehr Schwankungen bei der Inflation sehen, könnte es sogar noch wichtiger werden, eine starke Entschlossenheit zu zeigen, unser Preisstabilitätsziel zu erreichen und die Inflationserwartungen zu stabilisieren", sagte Nagel. Die EZB strebt mittelfristig 2,0 Prozent Inflation als Idealwert für die Euro-Zone an.
Nagel hatte bereits vor einigen Tagen vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen gewarnt, sollte der designierte US-Präsident Donald Trump seine Zollpläne umsetzen. Trump hat die Einführung von Zöllen in Höhe von zehn Prozent oder mehr auf alle importierten Waren ins Gespräch gebracht, um das Handelsdefizit der USA zu beseitigen. Wirtschaftsexperten befürchten, dass es dadurch zu erheblichen Konflikten im Welthandel kommen könnte.
(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)