Bundestag gibt weitere Gelder für deutsch-französischen Kampfjet frei

Reuters

Berlin (Reuters) - Deutschland geht den nächsten Schritt auf dem Weg zur Entwicklung eines mehrere Milliarden Euro teuren deutsch-französischen Kampfjets.

Bundestag gibt weitere Gelder für deutsch-französischen Kampfjet frei

Die Haushälter des Bundestags gaben am Mittwoch 77,5 Millionen Euro für den Einstieg in die Entwicklung von Demonstratoren für den Waffenverband aus Flugzeug und Drohnen frei, wie aus dem Gremium verlautete. Frankreich steuert Gelder in gleicher Höhe bei, die 2020 und 2021 abfließen sollen. Bei den Arbeiten geht es unter anderem um das Design des Jets sowie der zugehörigen Drohnen und die Antriebssysteme. Der Vertrag soll mit den Hauptauftragnehmern in Frankreich und Deutschland, Dassault und Airbus, abgeschlossen werden, wie aus der Vorlage des Finanzministeriums hervorgeht. Teile der Arbeiten sollen daneben von Safran, MTU, Thales und MBDA Frankreich übernommen werden.

Die Einbeziehung Spaniens sei ab dem dritten Quartal 2020 vorgesehen, heißt es in der Vorlage. Zuvor seien allerdings noch Verhandlungen nötig. Ab 2021 sei der Beginn der Demonstrationsphase geplant, bis 2027 solle ein finales Systemkonzept vorliegen. Die Entwicklungsphase solle 2030 starten, bis dahin dürften nach französischen Schätzungen acht Milliarden Euro in das Vorhaben fließen. Der weitere Finanzbedarf sei wegen zahlreicher unbekannter Faktoren - unter anderem der Zahl zusätzlicher Partner - noch nicht abschätzbar.

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums wird Deutschland die gleichen Rechte am geistigen Eigentum sowohl des Jets als auch des ebenfalls geplanten deutsch-französischen Kampfpanzers erhalten. Auch die aktuellen Arbeitspakete seien hälftig auf Deutschland und Frankreich verteilt, wie es der deutsche Haushaltsausschuss im vergangenen Jahr zur Bedingung gemacht hatte. Ein vollständiges Konzept zur Aufteilung der deutschen Arbeitspakete auf einzelne deutsche Rüstungskonzerne könne indes frühestens Mitte 2020 vorgestellt werden.

Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner kritisierte die Entscheidung. "Grundlegende programmatische Fragen wie die geistigen Eigentumsrechte und die zukünftige Rolle Spaniens im Programm sind nach wie vor nicht ausreichend geklärt", erklärte er. "Diese Fragen sind aber durchaus wichtig, um sicherzustellen, dass das Flugzeug auch innerhalb Deutschlands gewartet und gegebenenfalls in ein paar Jahrzehnten auch weiterentwickelt werden kann." Bei einem Projekt dieser Größenordnung müssten die Weichen jedoch von Anfang an richtig gestellt werden, um spätere Kostensteigerungen und Verzögerungen zu vermeiden.

Deutschland und Frankreich wollen sowohl einen neuen Kampfjet als auch einen neuen Kampfpanzer entwickeln, streiten aber seit langem über die Aufteilung der Arbeitsanteile für die beiden auf ein Gesamtvolumen von über 100 Milliarden Euro geschätzten Großprojekte. Beim Jet, der Schätzungen zufolge etwa 90 Prozent der Gelder verschlingen dürfte, hat Frankreich mit Dassault die Federführung, aber auch Airbus soll hier maßgeblich profitieren. Die Triebwerke sollen Safran und MTU entwickeln. Beim Kampfpanzer übernimmt Deutschland die Führung. Der neue Kampfjet, dessen Entwicklung Deutschland und Frankreich 2017 grundsätzlich beschlossen hatten, soll ab 2040 einsatzbereit sein und den Eurofighter und die Rafale ablösen.

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25.02.2020, 18:05, Euronext Indices
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