VW: Tanzen die Wolfsburger morgen aus der Reihe oder ist es ähnlich gut gelaufen wie bei Daimler und BMW?

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VW: Tanzen die Wolfsburger morgen aus der Reihe oder ist es ähnlich gut gelaufen wie bei Daimler und BMW?

Der weltgrößte Autobauer Volkswagen legt an diesem Donnerstag (29. Oktober) seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen aus der Branche hat VW als Konzern noch keine Eckdaten präsentiert. Daimler, BMW, Continental und andere hatten teils deutlich besser abgeschnitten als befürchtet und zumindest im Tagesgeschäft von Kostensenkungen profitiert. Wie es bei VW aussieht, was die Analysten erwarten und wie die Aktie zuletzt lief.

Auslieferungen noch unter Vorjahr

Im dritten Quartal lag VW bei den weltweiten Auslieferungen mit 2,61 Millionen Fahrzeugen nur noch um 1,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch wenn nach neun Monaten noch ein Rückgang von 18,7 Prozent zu Buche steht, kann VW das als Erfolg sehen. Auf dem wieder besser laufenden chinesischen Markt bestehen als Pkw-Marktführer noch deutliche Aufwärtschancen, wie sie Daimler, BMW und auch die eigene Tochter Audi  zuletzt nutzten.

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Immerhin scheint es nach dem Absturz in der Krise für die Lkw-Holding Traton bereits wieder etwas besser zu laufen. Trotz der Covid-19-Krise sei die Markterholung im dritten Quartal schneller gelaufen als angenommen, hieß es vergangene Woche von den Münchenern, die unter ihrem Dach das Geschäft der Marken MAN, Scania und der südamerikanischen Volkswagen Caminhões e Ônibus bündeln.

VW setzt derzeit bei seiner Nutzfahrzeugsparte mit Bussen und schweren Lkw ohnehin in großem Stil den Rotstift an. Bei MAN stehen 9500 der insgesamt 39 000 Jobs weltweit zur Disposition, bei Scania läuft ein Stellenabbau über 5000 Arbeitsplätze.

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Gleichzeitig leistet sich Traton aber die Komplettübernahme des US-Truckherstellers Navistar, an dem VW schon länger mit knapp 17 Prozent beteiligt ist. Für die restlichen rund 83 Prozent will der Konzern nun rund 3,7 Milliarden Dollar (3,1 Mrd Euro) hinblättern. Das soll dem Unternehmen ein Standbein in den USA, Kanada und Mexiko verschaffen. Volkswagen ist mit seinen Lkw-Geschäften in Europa und Südamerika stark vertreten, in den USA aber hat der Rivale Daimler die Nase vorn.

Bei den Pkws muss sich jetzt die erste große Welle von Elektroautos am Markt bewähren. Jüngst startete der wichtige ID.3, der die Erfolge mit Käfer und Golf in die Elektroära übertragen soll. Die ersten Käufer müssen aber gegen Jahresende noch einmal zum Software-Update in die Werkstatt, weil nicht alle Funktionen der Software rechtzeitig fertig wurden. Um den Jahreswechsel will VW dann mit dem Kompakt-SUV ID.4 nachlegen – mit dem auch das Model Y von US-Elektrorivale Tesla in Schach gehalten werden soll.

In der Pandemie werden Elektroautos und Plugin-Hybride zusätzlich gefördert, nicht nur in Deutschland. Der Aufschwung am Markt bei den elektrifizierten Antrieben lindert bei den Konzernen zumindest die größte Sorge, die sie vor dem Ausbruch von Covid-19 für dieses Jahr noch hatten – dass sie nämlich milliardenschwere Strafzahlungen an die EU wegen zu hoher CO2-Emissionen ihrer Neuwagenflotte leisten müssten.

Interessant wird sein, wie Konzernchef Herbert Diess eine Zeit nach Corona einschätzt. Zuletzt ging er davon aus, dass die Pandemie bis weit ins Jahr 2022 auf dem Konzern lastet. Nun könnte sich mit den Erholungstendenzen in der Branche womöglich eine etwas positivere Sicht einstellen. Doch mit den steigenden Infektionszahlen in Europa und Amerika steht die vielleicht auch schon wieder auf dem Prüfstand. Wie Diess die Dinge sieht, wird auch für die im November wieder anstehende Budgetrunde mit der Investitionsplanung für die kommenden fünf Jahre eine Rolle spielen. Dann entscheidet der Konzern regelmäßig, wohin die Milliardengelder für Forschung und Entwicklung sowie Sachinvestitionen fließen sollen.

Analysten auf der Seite von VW

Das Votum der im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten ist eindeutig. Elf der Analysten, die sich in diesem Jahr und seit Ausbruch der Corona-Krise zu der Aktie geäußert haben, raten zum Kauf. Drei sind für Halten, zwei für den Verkauf der im Dax notierten Volkswagen-Vorzüge. Das durchschnittliche Kursziel beträgt gut 162 Euro und damit rund 30 Euro über dem aktuellen Kursniveau.

Die Auslieferungen an Kunden seien im dritten Quartal nur leicht zurückgegangen, auf dem margenstarken europäischen Markt sei es im September besonders gut gelaufen, schrieb Marc-Rene Tonn von Warburg Research. Auch die anhaltend hohe Nachfrage nach den vergleichsweise teureren SUVs dürfte das Ergebnis gestützt haben. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi erwartet ein starkes Quartal vom Konzern hinsichtlich des operativen Ergebnisses und des Cashflows. Das dürfte auch das Finanzpolster für die geplanten Zukäufe stärken.

Die geplante Übernahme von Navistar sei ein logischer Schritt, schrieb Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Kosteneinsparungen in bedeutender Höhe könnten nur mit der Komplettübernahme des US-Konzerns erreicht werden. In diesem und dem kommenden Jahr wäre der Ergebniseffekt noch gering, dürfte sich danach aber auf mindestens 300 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Aktie noch nicht elektrisiert

Die VW-Vorzugsaktie büßte seit Jahresanfang ein Viertel ihres Werts ein und ist damit der schwächste Wert unter den deutschen Autobauern. Seit dem Corona-Crash, der die Aktienmärkte am 24. Februar erstmals mit voller Wucht erfasst hat, hat das Papier rund ein Fünftel verloren – und damit deutlich mehr als der deutsche Leitindex (minus zehn Prozent) und als die Stammaktien von BMW, die mit knapp zwei Prozent im Minus liegen. Daimler-Anteile legten in dem Zeitraum um mehr als zwölf Prozent zu.

Im Corona-Tief rutschte der Kurs der VW-Vorzugspapiere bei unter 80 Euro sogar deutlich unter das Dieselkrisentief von gut 86 Euro im Herbst 2015. Bei aktuellen Kursen von 132 Euro haben die VW-Aktionäre nach der Erholung in ihrem Depot zwar wieder mehr stehen. Die mühsamen Zugewinne seit dem Ausbruch der Dieselaffäre um manipulierte Motorensoftware sind aber größtenteils mit der Corona-Krise wieder dahin. Das Hoch aus dem Frühjahr 2015 bei über 260 Euro ist in noch viel weitere Ferne gerückt.

Damit ist das von Diess ausgerufene Ziel, den Marktwert des Konzerns an die Marke von 200 Milliarden Euro heranzuführen, bislang nur ein Wunschtraum der Anleger. Vielmehr fokussieren sich die großen Profi-Investoren im Autobereich derzeit eher auf Tesla . Der Elektroautopionier aus Kalifornien hat zuletzt bereits bewiesen, dass er mit den Batterieautos Geld verdienen kann.

Volkswagen ist an der Börse derzeit rund 69 Milliarden Euro wert, zusammen mit Daimler (rund 51 Mrd) und BMW (rund 40 Mrd) kommen die drei großen deutschen Autokonzerne auf 160 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Zum Vergleich: Der US-Elektroautopionier Tesla bringt es nach einer beispiellosen Rally in den vergangenen Monaten derzeit auf fast 400 Milliarden US-Dollar oder umgerechnet knapp 340 Milliarden Euro – und damit mehr als doppelt so viel. Auch Toyota aus Japan steht in der Gunst der Anleger weit besser da: 22,7 Billionen Yen entsprechen rund 183 Milliarden Euro.

Redaktion onvista / dpa-AFX

Foto: Sergey Kohl / Shutterstock.com

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