Unklarer Zinskurs der Fed macht Dax-Anleger mürbe

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Frankfurt (Reuters) - Der ungewisse Zinskurs der großen Notenbanken hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig gestimmt.

Der deutsche Leitindex hielt sich am Donnerstag mit 18.388 Zählern nur knapp im Plus. Der EuroStoxx50 rückte um 0,3 Prozent vor. Unklar ist weiterhin, wann genau die US-Notenbank Fed wie auch die Europäische Zentralbank die Zinswende einleiten werden. Jüngste Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell zeigten, dass er keine Eile habe, die Zinsen zu senken, sagte Jürgen Molnar von RoboMarkets. Powell bekräftigte am Mittwochabend, dass die US-Notenbank Zinssenkungen in diesem Jahr zwar anpeilt, die Zinswende aber von den einlaufenden Wirtschaftsdaten abhängig macht. Die Finanzmärkte spekulieren bislang auf einen ersten Schritt im Juni. Für die Euro-Zone sind die Erwartungen ähnlich.

Neue Hinweise auf das Vorgehen der Fed erhoffen sich die Investoren von dem am Freitag anstehenden offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung. Die Analysten der Helaba rechnen damit, dass der Arbeitsmarkt in den USA erst einmal in einer soliden Verfassung bleiben dürfte. Schnelle und deutliche Zinssenkungen ließen sich daher nicht ableiten, resümieren die Experten in einem Kommentar. Der Dollar-Index hatte im Vorfeld dennoch das Nachsehen. Er notierte mit 104,0950 Punkten knapp im Minus. Der Euro rückte dagegen um 0,2 Prozent auf 1,0856 Dollar vor.

GOLDPREIS IM REKORDFIEBER

Wie sehr die US-Zinssenkungsfantasien den Takt am Markt vorgeben, zeigt sich auch beim Goldpreis, der zuletzt von einem Rekord zum nächsten eilte. Am Donnerstag markierte das Edelmetall mit 2304,09 Dollar je Feinunze zeitweise ein neues Allzeithoch. Angeschoben wurde der Preis zusätzlich durch die Furcht vor einer weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Gold wird in Krisenzeiten gern als sicherer Hafen angesteuert. Auch Kupfer war angesichts des durch die Zinssenkungsspekulationen schwächeren Dollars gefragt. Das Industriemetall erreichte mit einem Plus von bis zu 1,5 Prozent auf 9397 Dollar je Tonne ein frisches 14-Monats-Hoch. Eine schwächere US-Devise macht in Dollar gehandelte Rohstoffe für Anleger in anderen Währungsräumen billiger und erhöht dadurch die Nachfrage.

RÜCKENWIND FÜR AUTOWERTE

Bei den Einzelwerten am Aktienmarkt ragten die Autowerte heraus. Die Aktien des schwedischen Autobauers Volvo stiegen nach einem Absatz-Rekord im März an der Börse in Stockholm zeitweise um mehr als sechs Prozent. Im Dax gehörten BMW, Mercedes Benz, Volkswagen und Porsche mit einem Plus von 2,9 bis 1,2 Prozent zu den größten Gewinnern. Der europäische Branchenindex legte 1,2 Prozent zu. Gestützt wurde der Autosektor laut einem Börsianer auch von der Hoffnung auf eine Wiederbelebung der chinesischen Wirtschaft nach zuletzt besseren Konjunkturdaten.

Im MDax griffen Anleger bei Redcare Pharmacy zu, die Aktien stiegen um 1,4 Prozent. Die Online-Apotheke hat im ersten Quartal einen Wachstumssprung geschafft. Die Erlöse schnellten um 51 Prozent auf 560 Millionen Euro.

(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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