Freie Wähler erwarten Einzug in Bundestag mithilfe von Direktmandaten

München (Reuters) - Die Freien Wähler wollen nach Angaben ihres Vorsitzenden Hubert Aiwanger im Wahlkampf den Unionsparteien und der AfD Stimmen abjagen und mithilfe von drei Direktmandaten in den Bundestag einziehen.
Der bayerische Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident, der die Freien Wähler in Bayern und bundesweit anführt, verwies zum Wahlkampfauftakt am Freitag darauf, dass die Fünf-Prozent-Hürde nicht für Parteien gilt, die drei Wahlkreise gewinnen. "Deshalb ist unser Ziel, jetzt mindestens mit drei Direktmandaten in den Bundestag einzuziehen, das dürfte nach allen Einschätzungen gelingen", sagte Aiwanger bei einer Pressekonferenz bei der Vorstellung mehrerer Kandidaten in München.
"Selbst wenn wir nur die drei Direktkandidaten und die durchschnittlichen Stimmen der letzten Wahlen plus ein bisschen mehr haben, dann haben wir schon 20 plus x an Abgeordneten", rechnete Aiwanger vor. "Wenn es noch ein bisschen zulegt, dann können wir Richtung 30 und mehr Abgeordnete gehen." In Umfragen lagen die Freien Wähler zuletzt bundesweit bei rund drei Prozent. Bei der Bundestagswahl 2021 hatten sie 2,4 Prozent geholt. Besonders stark fiel mit 7,5 Prozent das Teilergebnis in Bayern aus, das allerdings für den Einzug in den Bundestag nicht maßgeblich ist. Bei der Landtagswahl in Bayern 2023 hatten die Freien Wähler 15,8 Prozent der Stimmen und zwei Direktmandate errungen. Sie regieren als Juniorpartner in einer Koalition mit der CSU von Ministerpräsident Markus Söder.
Aiwanger sagte, er strebe im Bund eine "bürgerliche Koalition" mit CDU/CSU und FDP an. Damit solle sichergestellt werden, dass weder SPD noch Grüne an der Regierung beteiligt seien. "Wir wollen der Union helfen, nicht im schwarz-grünen oder schwarz-roten Nest liegen zu müssen." Damit wolle er nicht nur unionsnahe, sondern auch der AfD nahestehende Wähler ansprechen: "Dann ist das eine Vision für die Wähler, auch für Wähler, die derzeit überlegen, die AfD zu wählen. Wer AfD wählt, kriegt am Ende eben Rot oder Grün in der Regierung." Auch CSU-Chef Söder grenzt sich im Wahlkampf besonders von den Grünen ab und hat eine Koalition mit diesen im Bund ausgeschlossen.
(Bericht von Jörn Poltz, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)