US-Wirtschaft verliert Ende 2024 Schwung - wächst 2,3 Prozent im Quartal

Reuters · Uhr
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Washington (Reuters) - Die US-Wirtschaft hat Ende 2024 überraschend viel Wachstumstempo verloren - bleibt aber insgesamt robust.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,3 Prozent zu, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten mit plus 2,6 Prozent gerechnet. Im Sommerquartal hatte es noch zu einem Anstieg von 3,1 Prozent gereicht. "Das Dauerbrummen der US-Wirtschaft hält an und ist nur wenig leiser geworden", sagte Analyst Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. "Eine spürbare Wachstumsverlangsamung zeichnet sich weiter nicht ab." Getragen wurde die Konjunktur von Oktober bis Dezember von den privaten Konsumausgaben, die mit 4,2 Prozent deutlich kletterten.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds wird die US-Wirtschaft 2025 unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump deutlich stärker wachsen als bisher gedacht. Der IWF erhöhte jüngst seine Prognose für die weltgrößte Volkswirtschaft um 0,5 Punkte auf 2,7 Prozent. Im Gesamtjahr 2024 hatte es ein Plus von 2,8 Prozent gegeben, nach zuvor 2,9 Prozent. Die Widerstandskraft der US-Wirtschaft sei erstaunlich, denn viele Fachleute hätten noch vor einem Jahr eine Rezession vorausgesagt, erklärte LBBW-Ökonom Dirk Chlench. "Die Redewendung 'Totgesagte leben länger' hat sich bestätigt."

Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft ist in den beiden vergangenen Jahren jeweils geschrumpft und dürfte auch 2025 allenfalls minimal wachsen.

ÖKONOM: TRUMP-POLITIK HÄLT WACHSTUM UND JOBMARKT AM LAUFEN

Offen ist, wie sich Trumps Wirtschaftspolitik auswirkt. Der Republikaner dürfte eine sehr unternehmensfreundliche Politik verfolgen, mit niedrigen Steuern und weniger staatlichen Vorschriften. "Donald Trump ruft schon den Beginn des goldenen Zeitalters für die USA aus", sagte Hepperle. Mancher von der Politik gesetzter Wachstumsimpuls werde aber wohl geringer sein als erhofft. "Trotzdem, die Angebots- und Deregulierungspolitik der neuen US-Regierung werden das BIP-Wachstum und den Arbeitsmarkt am Laufen halten."

Trump dürfte aber auch neue Handelskonflikte anzetteln - dies würde vor allem die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie China und die EU belasten. Auch die deutschen Exporteure würden Strafzölle auf Importe in die USA deutlich spüren.

Die Handelspolitik dürfte Fachleuten zufolge für mehr Inflation in den USA sorgen und damit auch die Geldpolitik der US-Notenbank Fed beeinflussen. Die Währungshüter hatten am Mittwoch eine Zinspause eingelegt und den Leitzins unverändert in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent gelassen. Damit endete die Senkungsserie vorerst, die im September begonnen hatte und der zwei weitere Lockerungen folgten. Die Fed hat angesichts der robusten Konjunkturlage laut Notenbank-Chef Jerome Powell "keine Eile", weitere Schritte einzuleiten. Trump hatte für niedrigere Zinsen plädiert und kritisierte die Fed-Zinspause.

(Bericht von Lucia Mutikani, geschrieben von Klaus Lauer; redigiert von Philipp Krach.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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