Uniper: Aktie legt 80 Prozent zu – Darum bleibt sie aber zu riskant

onvista · Uhr
Quelle: Dennis Diatel/Shutterstock.com

Das sind mal halbwegs gute Zahlen für den Uniper: Nachdem die Aktien des Versorgers auf ihr Rekordtief auf 2,66 Euro crashten, haben sie sich in den letzten Tagen erholt. Derzeit wird eine Aktie mit 4,74 Euro gehandelt, womit die Anteilsscheine knapp 80 Prozent im Plus liegen. Was sind die Gründe dafür? Ist das die Wende? Sollten Anleger die Chance ergreifen und zugreifen?

Gründe für die Rallye

Die Rallye der Uniper-Aktie hat mehrere Gründe. Einer ist die Diskussion um die Gasumlage, die ab dem 1. Oktober eingeführt wird und die ersten Abschlagszahlungen Ende Oktober bezahlt werden. Sollte sie wirklich eingeführt werden, verschafft das Uniper einen Geldsegen. Zwar werden schon die ersten Stimmen laut, dass solch eine Umlage verfassungswidrig sei, weil der Profiteur der staatlichen eingeführten Gasumlage ein Staatsunternehmen ist. Aber noch ist die Umlage nicht vom Tisch. Auch wenn die Verstaatlichung bereits beschlossen ist, dauert die Umsetzung noch einige Monate; eine Zeit, in der das Geld aus der Umlage durchaus fließen kann.

Sollte sich die Politik für eine Deckelung des Gaspreises entscheiden, erhält Uniper eine Geldspritze aus dem Bundeshaushalt.

Ein weiterer Grund für die Rallye sind die Gewinnmitnahmen der Shorter. Sie müssen jetzt die Aktien zurückkaufen, die sie sich zu einem höheren Preis geliehen und sofort verkauft haben.

Ist die Rallye ein Wendepunkt?

Nein, das ist sie nicht. Zuerst einmal ist eine Lösung der Gaskrise weiterhin nicht in Sicht. Niemand kann sagen, wie das fehlende russische Gas ausgeglichen werden kann, wie teuer es am Ende wird und wer die Mehrkosten übernimmt. Aus Katar hieß es bereits vor Monaten, dass vor 2026 keine Lieferungen nach Deutschland erfolgen werden. Und auch mit Kanada, wo Olaf Scholz und Vertreter der deutschen Industrie im letzten Monat hinreisten, wurden bisher nur Absichtserklärungen unterschrieben. Gewiss, aus ihnen können sich Lieferungen ergeben, aber noch ist Konkretes vereinbart worden.

Die Diskussion um die Umlage oder um die Deckelung des Gaspreises sind auch noch nicht entschieden. Es ist nicht nur Finanzminister Lindner, sondern auch SPD-Chef Lars Klingbeil, der bereits Kritik geäußert hat. Ob die Umlage dann noch Bestand hat, ist ungewiss. Besonders wegen der verfassungsrechtlichen Bedenken.

Sollte es wirklich zur Deckelung des Strompreises kommen, weiß bisher auch noch niemand, wie diese konkret aussieht.

Es bleibt beim Alten: Anleger sollte Uniper-Aktien meiden

Die Uniper-Aktie ist und bleibt riskant und sollte daher nicht den Weg in ein Depot von Privatanlegern finden. Sie eignet sich höchstens als Zockerpapier oder für Daytrader. Für alle anderen heißt es: Finger weg! Wer die Uniper-Aktie noch auf der Watchlist hat, sollte sie auch von dort entfernen. Sie ist durch.

Sollte sich die Lage irgendwann einmal beruhigen und sollte der Staat eine Reprivatisierung planen, dann kann man sich die Uniper-Aktie wieder anschauen. Aber das ist derzeit nicht in Sicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel