Was bedeutet das für deutsche Banken?

BaFin schließt Silicon Valley Bank in Deutschland

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Quelle: Michael Vi/Shutterstock.com

Die gestiegenen Zinsen haben die Silicon Valley Bank (SVB) besonders hart getroffen. Aufgrund der höheren Zinsen müssen Staaten und Unternehmen ihre neuemittierten Anleihen höher verzinsen, um Abnehmer zu finden. Viele Anleger – besonders institutionelle – verkaufen daraufhin ihre alten Anleihen, um mit dem Geld die neuen und besser verzinsten zu erwerben. Das führt zu einem Kurssturz der alten Anleihen.

Beispiel: Die US-Regierung hat 2019 eine Anleihe herausgegeben mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Der Zins liegt bei 2,375 Prozent pro Jahr. Diese Anleihe lief auch ganz gut, bis die Fed im Kampf gegen die Inflation die Zinsen erhöht hat. Im März 2022 unterschritt diese Anleihe das erst Mal 100 Prozent und liegt derzeit bei 77,53 Prozent.

Das hat auch die SVB gespürt, die ihr Anleihenportfolio über 21 Mrd. USD verkauft hat und einen Verlust von 1,8 Mrd. USD erlitt. Die erhoffte Stärkung der Kapitalposition blieb somit aus.

Bafin schließt deutsche Filialen der SVB

Die Silicon Valley Bank Germany Branch mit Sitz in Frankfurt/Main sei mit sofortiger Wirkung für den Kundenverkehr zu schließen, verfügte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Montag.

Wegen „der bestehenden Gefahr für die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber Gläubigern“ erließ die Bafin ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der Bank. „Die Notlage der Silicon Valley Bank Germany Branch stellt keine Bedrohung für die Finanzstabilität dar“, erklärte die Bafin.

Seit dem 30. Mai 2018 ist die Bank auch in Deutschland ansässig und betreibt hierzulande Kreditgeschäft. Einlagen von Kunden sammelt die Bank in Deutschland nach Bafin-Angaben nicht ein, daher ergäben sich aus dem Moratorium „keine Konsequenzen für die Einlagensicherung in Deutschland“. Die Bilanzsumme des in Frankfurt/Main ansässigen Instituts belief sich nach Bafin-Angaben gemäß dem Jahresabschluss 2022 auf 789,2 Millionen Euro.

Was heißt das für andere Banken?

Die SVB ist seit fast 40 Jahren am Markt und dafür bekannt, Start-ups zu unterstützen, die aufgrund ihrer defizitären Bilanz keine Kredite bei anderen Banken erhalten. Die SVB hat damit Risikokapital vergeben – ein Risiko, von dem andere Banken weniger betroffen sind.

Die SVB hatte auch ein höheres Anleihenportfolio als andere Banken und war daher vom Zinsanstieg besonders hart getroffen.

Dass andere Banken – wie etwa die Deutsche Bank und Commerzbank – in eine ähnliche Situation kommen, ist eher unwahrscheinlich, besonders da die Vorschriften nach der letzten Finanzkrise sukzessive verstärkt wurden. Dennoch empfiehlt es sich, erst einmal an der Seitenlinie zu bleiben und eine Bodenbildung abzuwarten.

(mit Material von dpa-AFX)

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