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Die Bullen können noch ins Stolpern kommen

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Habt Ihr Euch inzwischen für ein Lager entschieden – für das der Bullen oder der Bären? Börsianer sind nun einmal von Hause aus eher „bullisch“ (= optimistisch) und glauben an steigende Kurse. Und sie kriegen in diesen Wochen immer mehr Zuspruch. Finde ich gut, nutzt nicht nur der Börse selbst, sondern verbessert das wirtschaftliche Klima insgesamt. Das zeigen auch jüngste Stimmungserhebungen. Nur warne ich (obwohl Sympathisant des Bullenlagers) vor übertriebenen Erwartungen einerseits und dem Verdrängen der nach wie vor bleibenden Risiken andererseits. Die sind nicht gering und können die Entwicklung von Wirtschaft und Börsen ins Stolpern bringen.

Vorsichtige Analysten weisen deshalb gerade heute darauf hin, weil der neue Ifo-Geschäftsklimaindex erwartungsgemäß weiter gestiegen ist. Aber, so schreibt mir ein vorsichtiger Bankenvolkswirt, der wirtschaftliche Gegenwind bleibt erhalten.

Deutschlands Unternehmen bewerten den Ausblick für die kommenden sechs Monate laut Ifo-Index erneut positiver. Die Bewertung der aktuellen Lage trübt sich dagegen leicht ein. Die Anzeichen nehmen zu, dass der Höhepunkt der Inflationsentwicklung hinter uns liegt. Dies lässt die Konjunkturerwartungen steigen, genauso wie die inzwischen robuste Versorgungslage beim Erdgas. Von einer tiefen Rezession oder gar industriellen Kernschmelze kann derzeit keine Rede mehr sein.

Zum Ifo-Bericht passt ganz gut eine im Auftrag der Gothaer durchgeführte Erhebung. Ergebnis: Trotz schwieriger und unsicherer Lebensumstände bleiben die Deutschen zuversichtlich. 72 Prozent der Befragten blicken optimistisch in die eigene Zukunft.

Wörtlich heißt es in der Auswertung: „Deutschland, Land der Pessimisten, Skeptiker und Zauderer, dieses Bild zeichnet die aktuelle forsa-Umfrage Thema Zukunft und Mut nicht. Rund drei Viertel der Befragten geben an, sehr (5 Prozent) bzw. eher (67 Prozent) optimistisch zu sein, was die eigene Zukunft betrifft. Eher pessimistisch bzw. sehr pessimistisch gestimmt sind dagegen nur 23 bzw. 3 Prozent der Befragten. Jüngere und Haushalte mit höherem Nettoeinkommen geben sich besonders zuversichtlich.

An welcher Stelle also meine Warnung vor Jubelstimmung? Über die Inflations- und Zinsperspektiven ist so ziemlich alles gesagt, was momentan von Bedeutung ist. Dagegen bleibt der Ukraine-Krieg das wohl größte denkbare Risiko – nicht nur für die direkt betroffenen Menschen, auch nicht nur für uns und Europa. Denn es kann doch nicht ausgeschlossen werden, dass die russischen Aggressoren eine Ausweitung ihrer Angriffe auf die Ukraine im Frühjahr oder Sommer vorbereiten. Insofern ist der heute auch im Bundestag diskutierte (umstrittene) Beschluss einer Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine nachvollziehbar. Bleibt also wachsam, meine Freunde, gerade wenn Ihr zu den kurz- bis mittelfristigen Aktienfans gehört!

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