Marktausblick Woche 5: Nachhaltig, nachhaltiger, am nachhaltigsten

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Das Update zur Woche mit Felix Herrmann






Nachhaltig, nachhaltiger, am nachhaltigsten

Spätestens seit dem Weltwirtschaftsforum in Davos dürfte jedem Anleger klar sein: Das gerade erst begonnene Investmentjahrzehnt wird grün. Was anfänglich von vielen belächelt wurde, hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Megatrend in der Finanzbranche entwickelt - ein Trend, dessen Missachtung erhebliche negative Konsequenzen haben dürfte. Wir bei BlackRock sind davon überzeugt, dass wir am Anfang eines Transformationsprozesses der Branche stehen, an dessen Ende nachhaltiges Investieren die Norm und nicht die Ausnahme sein wird. Obwohl der Trend noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Zahlen bereits jetzt beindruckend. Das in ESG-Fonds verwaltete Vermögen hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht und lag Ende 2019 bei knapp unter einer Billion US-Dollar. Wie stark das Momentum ist, offenbart die Wachstumsrate von 50% aus dem vergangenen Jahr.

Während das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Sinneswandels also gerade in den letzten 12 Monaten noch einmal stark gewachsen zu sein scheint, zeigt sich bei der Frage, was genau unter „Nachhaltigkeit“ zu verstehen ist, dass es bis dato noch viele unterschiedliche Interpretationen des Konzepts gibt. Umso wichtiger, dass allgemein akzeptierte Standards entwickelt werden, etwa bezüglich des Reportings von Nachhaltigkeitsinformationen seitens der Unternehmen. Hier wurde mit den Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) aus unserer Sicht allerdings bereits ein gut durchdachtes Rahmenwerk entworfen, das vom Arbeitsumfeld für Arbeitnehmer über Datensicherheit bis hin zu allgemeinen Governancerichtlinien viele Felder zusätzlich zum CO2-Fußabdrucks abdeckt. Dennoch liegt hier noch ein gutes Stück Arbeit vor der Branche - auch, um sich glaubwürdig des Vorwurfs des „Greenwashings“ zu erwehren.

Wie wird der Nachhaltigkeits-Trend das Investieren verändern?

Nach unserem Verständnis gibt es drei Kanäle, über die der Trend der Nachhaltigkeit das Investieren grundsätzlich verändern wird.

Der erste Kanal betrifft die Profitabilität von Investments. Zahlreiche Studien zeigen auf, dass nachhaltiges Investieren und Profitabilität kein Widerspruch sind - im Gegenteil. Einerseits fällt es profitablen Firmen leichter, nachhaltig zu agieren. Andererseits steigern nachhaltige Unternehmenspraktiken nachweislich die Profitabilität.

Der zweite Kanal betrifft das Risiko nicht-nachhaltigen Wirtschaftens. Anlagen in Vermögensgegenstände, die ein geringeres Niveau an Nachhaltigkeit widerspiegeln, sind stärker gegenüber Ereignissen wie etwa Klimakatastrophen (Überschwemmungen, Brände, usw.) exponiert. Gleichzeitig stellen auch mögliche Verschärfungen im Bereich der Regulierung für nicht-nachhaltig aufgestellte Unternehmen ein finanzielles Risiko dar. Um es also klar zu sagen: Nachhaltigkeitsrisiken sind Investmentrisiken.

Der dritte Kanal findet in der öffentlichen Diskussion häufig keine große Beachtung, ist jedoch aus unserer Sicht der bedeutsamste: Die enorme bevorstehende Reallokation von Kapital in nachhaltige Anlagen, die wiederum Risikoprämien und relative Preise am Markt grundlegend verändern wird. Ein Unternehmen, das zukünftig keinen Wert auf Nachhaltigkeit setzt, wird es am Markt schwer haben, sich Kapital zu beschaffen und wird entsprechend eine höhere Risikoprämie zahlen müssen. Durch die Reallokation steigt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass für längere Zeit ein Momentum entsteht, dass nachhaltigen Anlagen einen zusätzlichen Performance-Vorteil beschert.

Was das für Anleger bedeutet

Finanzmärkte neigen dazu, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren und vorwegzunehmen, was wiederum zur Folge haben dürfte, dass die Reallokation von Kapital in nachhaltige Anlagen eher schneller als langsamer vonstattengehen wird. Egal, ob man an den Klimawandel oder an „ESG“ glaubt oder nicht: Sich gegen diesen Trend zu stellen, dürfte teuer werden. Firmen, Anleger und Regierungen bleibt nichts anderes übrig als sich für eine der signifikantesten Transformation der Finanzbranche vorzubereiten, die es jemals gegeben hat.

Die Sorge, die Investoren in Zukunft umtreibt, sollte nicht eine mögliche entgangene Rendite sein, sobald sie Unternehmen oder Sektoren ausklammern, die durch das ESG-Raster fallen. Vielmehr sollten sie Investitionen in Unternehmen und Sektoren, die sich dem Trend verweigern, zukünftig mit wachsender Vorsicht tätigen.

Definitiv nicht nachhaltig ist die Mitgliedschaft der Briten in der EU, denn am kommenden Freitag verlässt das Königreich den Staatenbund offiziell, bevor am Samstag die (viel zu kurze) Übergangsfrist bis zum Jahresende beginnt. Bis zum heutigen Tage hat der Brexit bereits heftigen Schaden angerichtet. Die Ausfuhren der deutschen Autobranche gingen beispielsweise seit 2016 um mehr als ein Viertel zurück. Obwohl der Brexit noch nicht vollzogen ist, befindet sich der Umbau der Wertschöpfungsketten bereits in vollem Gange. Weiterer Schaden ist zu befürchten, insbesondere, wenn sich EU und Großbritannien nicht zeitnah auf ein neues Setup bei der bilateralen Partnerschaft einigen.

Eine höhere Halbwertszeit als noch vor kurzem befürchtet, könnte hingegen die italienische Regierung haben, nachdem die Lega von Salvini bei den Regionalwahlen in Emilia-Romagna und Kalabrien einen Dämpfer hinnehmen musste. Salvini, der die Regionalwahlen bewusst zu einem Referendum über die Regierung in Rom hochstilisiert hat, gelang es in beiden Regionen nicht, die meisten Stimmen auf seine Partei zu vereinen. Wenngleich die Fünf-Sterne-Partei, die bei den landesweiten Parlamentswahlen im Jahr 2018 noch stärkste Partei wurde, auf einstellige Wahlergebnisse bei den Regionalwahlen vom Wochenende schaut, dürfte die sich Stabilität der Regierung in Rom gerade aufgrund des starken Abschneidens der Sozialdemokraten in Emilia-Romagna seit Sonntag etwas erhöht haben. Letztlich muss man jedoch kein Prophet sein, um zu wissen: Die Regierung in Rom wird zeitnah wieder wackeln.

Kurzfristig werden die Märkte weiter vom Nachrichtenfluss rund um das sich weiter ausbreitende Coronavirus getrieben. Der private Konsum in China, der in den letzten Jahren zu einer immer wichtigeren Stütze des Wachstums geworden ist, könnte aufgrund des Virus und der Quarantäne für mehr als 40 Millionen Menschen im ersten Quartal spürbar schwächer ausfallen als befürchtet. Sollte Chinas Regierung dies zum Anlass nehmen, um fiskalpolitisch gegenzusteuern, wäre wohl zumindest der negative Einfluss des Virus auf die Finanzmärkte nicht nachhaltig.





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